Zertifizierungen I/III

21. Januar 2010 § 2 Kommentare

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in den nächsten drei Artikeln soll es um die Frage gehen, inwieweit Zertifizierungen zur Qualitätskontrolle bei Trainings sinnvoll sind. Ich habe dazu in den letzten Jahren im interkulturellen Bereich Erfahrungen gesammelt und bin gespannt, ob diese allgemeingültig für den Softskill-Bereich sind.

Ich sehe drei Akteure, die bei der Betrachtung von Zertifizierungen betrachtet werden können:

  • Kunden (Unternehmen/ öffentliche Organisationen)
  • TrainerInnen/ ReferentInnen/ etc.
  • Anbieter von Zertifizierungen

I Sicht der Kunden:

So wie ich das sehe, sollen Zertifikate in erster Linie den Kunden helfen, leichter gute TrainerInnen auszuwählen. In der Tat ist es für Nachfrager sehr schwierig, die Qualität eines Trainers/ einer Trainerin zu beurteilen. Der Wunsch der Kunden hier Transparenz zu haben ist aus meiner Sicht nachvollziehbar und ligitim.

In meiner 10jährigen Erfahrung als Trainingsanbieter habe ich jedoch von Seiten der freien Wirtschaft nie erlebt, dass eine Zertifizierung einen Ausschlag für eine Buchung gegeben hat. Das kann entweder daran liegen, dass für Kunden andere Dinge bei der Auswahl ausschlaggebend sind und/ oder dass es noch keinem Zertifizierungsinstitut möglich gewesen ist ein so einschlägiges Zertifikat herauszugeben, dass es tatsächlich Zweifel des Kunden an der Qualität einer Veranstaltung verschwinden lässt.

Ich glaube auch nicht, dass das jemals möglich sein wird. Das liegt schon daran, da bei einer Zertifizierung Dinge erfasst werden, die nicht wirklich die Qualität eines Trainings ausmachen. Es sind Dinge wie Ausbildung, Methodik, wissenschaftliches Wissen, Didaktik etc., die bei einer Zertifizierung eine Rolle spielen.

Aber, so frage ich mich, haben diese Dinge wirklich Einfluss auf die Qualität? Dazu die nächste Frage: Was macht den die Qualität eines Trainings aus? Die Antwort liefere ich gleich mit: „Doch letztendlich ausschließlich der Grad indem es möglich ist, mit dem Training eine Wirkung zu erzielen.“ [Natürlich nur dann, wenn alles im Rahmen einer ethischen Grundhaltung verbleibt.]

Und dies ist mit den gemeinhin in Zertifizierungen abgefragten bzw. überprüften Kriterien, nicht monokausal verknüpft.

Wenn dies nicht der Fall ist, inwieweit sollen dann Zertifizierungen sinnvoll sein?

Ich freue mich auf Kommentare durch Sie, geschätze Leserin, geschätzer Leser und führe im nächsten Block die Gedanken weiter aus.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Henkel

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§ 2 Antworten auf Zertifizierungen I/III

  • Hallo Herr Henkel,

    mir gefallen Ihre kritischen Gedanken und Fragen zum üblichen Trainings-Geschäft. deshalb auch hier ein Kommentar zur Frage der Zertifizierung von Trainern.

    Grundsätzlich gibt ein Zertifikat aus meiner Sicht gar keinen Hinweis darauf, ob ein Trainer gut ist. Das kann man ja in ganz anderen Bereichen auch deutlich sehen: Ein Lehrer, der immerhin ein Staatsexamen haben muß, ist deshalb noch lange kein guter Lehrer, oder auch ein Arzt, der sogar seine Praxistauglichkeit nach dem Studium beweisen musste, ist damit auch noch kein guter Arzt. Da kennt wohl jeder genügend weitere Beispiele aus der eigenen Erfahrung.
    Und dennoch scheint damit ein gewisses Grundmaß an Wissen (weniger von Können) zumindest einmal verfügbar gewesen zu sein – was uns am Beispiel des Arztes schon irgendwie beruhigt.
    Und genau das beschreibt eigentlich den Wert von Zertifizierungen: Aus meiner Sicht sind sie eher gut als Eintrittskarte, wenn man sonst nicht anders beweisen kann, dass man geeignet scheint. Für erfahrene Trainer sind Referenzen, so etwas wie ständig neu ausgestellte Zertifizierungen – und damit meines Erachtens wesentlich aussagekräftiger als irgendein formales Zertifikat. Möglicherweise macht es Sinn, Referenzen und Beurteilungen aktiver einzuholen und darzustellen – etwa so, wie Piloten ihre Lizenz ja auch durch regelmäßig nachgewiesene Flugstunden immer wieder erneuern müssen.
    Offenbar gibt es derzeit aber tatsächlich die Tendenz zu weiteren Trainer-Zertifizierungen, da wurde z.B. eine europäische Norm DIN EN 17.024 erst vor kurzem offiziell auch für „Trainer für Verkehrssysteme“ verabschiedet. (Allerdings gibt es in den sicherheitsrelevanten Bereichen – schon lange Regelwerke, die Zertifizierungen für Trainer vorschreiben.) Gleichzeitig weiß ich von vielen Unternehmen, die ihre internen technischen Trainer selber zertifizieren, um damit neben der technischen auch die didaktische und methodische Qualifikation sicher zu stellen.

    • Hallo Herr Pape,

      stimmt, diese Rolle von Zertifikaten hatte ich noch gar nicht gesehen und Ihre Sicht lässt mich Zertifizierungen ein bisschen weniger kritisch sehen. Vielleicht liegt das daran, dass der Anspruch („Durch ein Zertifikat weißt man qualitativ hochwertige Trainings nach.“) und die tatsächliche Aussage (Wie von Ihnen formuliert: „Das Grundlegende Wissen ist bei dem Trainer vorhanden.“) zu weit auseinander liegen.

      Dass Referenzen eine andauernde Zertifizierung darstellen ist ebenfalls ein wertvoller Hinweis für mich. Sie geben auch eher Aufschluss über die obige erste Aussage als über die zweite, sind also sehr gut geeignet eine Aussage über die Qualität des Trainings zu machen. Wobei sich Qualität eben üblicherweise darauf bezieht, dass die Teilnehmer mit dem Training zufrieden waren. Eine Aussage über die Wirkung wird kaum gemacht – einfach weil meiner Erfahrung nach keine Messung und damit keine Beurteilung der Wirkung geschieht. Dies ist ein Betätigungsfeld an dem noch viel gearbeitet werden kann. Unschwer zu erkennen, ist das mein Thema.

      Gerne greife ich Ihren Hinweis auf und weiter daran arbeiten, wie wie wir Erfahrungen über Wirkungsmessung aus den sicherheitsrelevanten Bereichen übertragen können.

      Viele Grüße

      Steffen Henkel

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