Wann ist ein Training erfolgreich? I/IV

30. August 2010 § Ein Kommentar

Heute beginnt sie nun – die Blogparade zum Thema: Wann ist eine interkulturelle Auslandsvorbereitung erfolgreich?

Mich interessierten unterschiedliche Sichtweisen von TeilnehmerInnen, TrainerInnen, begleitende PartnerInnen, PersonalerInnen, Vorgesetzte, KollegInnen und Anbietern.

Bodo Albrecht

Bodo Albrecht

Von einigen dieser Gruppen wurden tolle Artikel für die Blogparade geschrieben und ich möchte sie in den kommenden Tagen veröffentlichen. Heute starten wir mit der Sicht eines Teilnehmers: Bodo Albrecht lebt in den USA und hat einige Zeit nach seiner Ankunft ein interkulturelles Training genossen. Hier die Punkte, die er für wichtig und beachtenswert empfand.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein interkulturelles Training? Diese Frage lässt sich ganz klar mit „das hängt davon ab“ beantworten. Ich wurde vor schon längerer Zeit aus Deutschland in die USA versetzt, ein Land, das ich bereits durch viele Geschäftsreisen und einige Urlaube zu kennen glaubte. A priori sind die Unterschiede nicht augenfällig, ich bin jedoch heute davon über zeugt, dass die USA zu den am meisten unterschätzten Ländern gehören, die es gibt.

In vielen anderen Ländern unterscheiden wir Deutsche uns schon durch unsere Größe, Hautfarbe, Religion, Essgewohnheiten und andere Attribute unseres Zusammenlebens von der lokalen Bevölkerung. Diese Unterschiede schon vor der Abreise zu studieren ist nicht nur nützlich, sondern manchmal sogar überlebensnotwendig. Ein klarer Fall also. Gleichwohl bleiben Expats in solchen Ländern oft unter sich, leben in Compounds die sich Einheimische nicht leisten können und schaffen sich so ihre Inseln unter Gleichgesinnten.

Nicht so in den USA. Ich erinnere mich an eine Diskussion mit einem Vorgesetzten, dem selbst der Nutzen eines Look-and-See-Trips mit meiner Familie nicht einleuchten wollte. „Da drüben ist praktisch alles so wie hier – glauben Sie mir“, hörte ich. Beide Teile dieses Satzes verdienen eine nähere Betrachtung:

  • Viele Deutsche, die die USA aus Urlauben oder von Geschäftsreisen kennen, empfinden Amerikaner als einfach und unkompliziert im Umgang. „Sie sind aber sehr oberflächlich“, kommt meistens als Nachsatz. Sorry, aber oberflächlich ist dabei nur eins: diese Sicht der Dinge.
  • Dies gepaart mit der sehr deutschen Eigenschaft, Dinge „zu wissen“ macht den Satz explosiv: niemand „weiß“, wie „die Amerikaner“ ticken, wenn er nicht für mehrere Jahre im Land gelebt hat – das im übrigen aus 50 sehr unterschiedlichen Staaten besteht.

So werden die USA zur vielleicht teuersten Expatfalle deutscher Unternehmen, und aus diesem Grund kam mein interkulturelles Training zum exakt richtigen Zeitpunkt: nach ca. 6 Monaten im Land. Der Trainer, obwohl Amerikaner, erklärte den Seminarraum kurzerhand zur neutralen Zone und forderte uns auf, völlig unzensiert über unsere Probleme zu berichten. Verblüffend, dass wir alle die gleichen Probleme hatten. Schockierend, wieviel Wissen über Kultur und Geschichte, geografische Besonderheiten und Teilgruppen der amerikanischen Gesellschaft uns allen fehlte, obwohl wir doch alle „wussten“, wo wir hingehen. Wir wussten nichts und jeder von uns war schon in mehrere der überall bereitstehenden Fettnäpfchen getreten.

Das Training fand also statt, als sich viele von uns am Tiefpunkt befanden, die Menschen nicht verstanden und teilweise sogar insgesamt frustriert oder deprimiert waren. Es half uns, diese Empfindungen zu artikulieren, ihre Gründe zu verstehen und diejenigen Dinge zu lernen, die wirklich relevant für den Umgang mit Kollegen und Nachbarn sind. Jeder Versuch dieses Trainings zu einem früheren Zeitpunkt hätte uns noch in der „ich weiß“ Phase getroffen und wäre zweifellos verpufft.

Beispiele solcher Unterschiede zu schildern würde ein Buch füllen und tatsächlich gibt es solche schon zur Genüge – leider auch viel Müll von „Wissern“. Tipp: ein Buch, das sich in einzigartiger Weise mit amerikanischer Kultur befasst (wenn auch mit einem Fokus auf Marketing) ist „Cultur Code“ von Clotaire Rapaille – es hat, selbst nach all den Jahren, die ich bereits hier lebe, mein Verständnis amerikanischer Kultur nochmals nachhaltig verändert.

Hier geht es zum Teil II, die Antwort einer begleitenden Ehefrau.

Autor: Bodo Albrecht

Nach 20 Jahren mit einem großen Deutschen Chemie- und Metallkonzern, vier davon in den USA, bin ich seit zehn Jahren selbständig. Meine Firma, BASIQ Corporation, berät seitdem edelmetall-produzierende oder verarbeitende Unternehmen aus aller Welt bei deren Einstieg in den US Markt. Seit ca. zwei Jahren verfasse ich einen Marketing-Blog, den ich auf Wunsch meiner Leser mit „and the Meaning of Life“ erweitert habe.

Advertisements

§ Eine Antwort auf Wann ist ein Training erfolgreich? I/IV

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Wann ist ein Training erfolgreich? I/IV auf Wirkung in der interkulturellen Weiterbildung.

Meta

%d Bloggern gefällt das: