Gastbeitrag: Wann ist ein Training erfolgreich?

20. September 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute möchte ich einen Gastbeitrag veröffentlichen, der sich aus einer Anfrage für die Blogparade ergeben hat. Eine Kollegin beantwortet die Frage aus gleich drei Perspektiven, da sie alle drei Sichtweisen repräsentiert: aus Sicht einer Anbieterin von interkulturellen Trainings, einer interkulturellen Trainerin/Coach und einer Managementberaterin, die im Ausland Projekte durchführt.

Sonja App

Sonja App

Moderne Unternehmen sind muntere Pendler zwischen den Kulturen. Angefangen hat alles mit der guten alten Entsendung: Ein Mitarbeiter verpflichtet sich, über mehrere Jahre für sein Unternehmen im Ausland zu arbeiten. Doch heutzutage gibt es ein faszinierendes Spektrum der interkulturellen Zusammenarbeit. Wer die Möglichkeiten flexibel zu nutzen weiß, der hat im Wettbewerb die Nase vorn. Besonders wichtig dabei: die gezielte Vorbereitung auf ein Auslandsprojekt.

In Beratungsunternehmen sind mehrmonatige Projekte im Ausland keine Seltenheit. Sofern es sich um ein Projekt im europäischen Ausland handelt,  behält der Mitarbeiter seinen Dienst- und Wohnsitz häufig im Inland; dies bedeutet jedoch: Man muss ständig zwischen den Kulturen pendeln. Von Montag bis Donnerstag oder Freitag ist man beim Kunden im Ausland. Das Wochenende dagegen verbringt man zu Hause. Dieser ständige Wechsel wirft ein Anpassungsproblem auf: Einmal gelten diese Kommunikationsregeln, dann wieder jene. Außerdem muss man sich alle paar Tage auf einen anderen Lebensrhythmus einstellen.

Hinzu kommt: In große internationale Beratungsprojekte sind meist nicht nur Kunden und Kollegen zweier Kulturen involviert, sondern Personen aus vielen verschiedenen Kulturen. Außerdem gibt es oft noch weitere Kollegen und Geschäftspartner aus anderen Ländern, mit denen man nur virtuell zusammenarbeitet. So groß diese Herausforderung ist, so schlecht ist oft die Vorbereitung. Projektmitarbeiter mögen über teils sehr lange Zeit im Ausland arbeiten. Doch ihnen werden nur in seltenen Fällen interkulturelle Trainings und Coachings zuteil. Die Begründung ist immer dieselbe: Schließlich handelt es sich ja nicht um eine klassische Entsendung.

Die Schuld an der mangelnden Vorbereitung tragen jedoch nicht allein die entsendenden Unternehmen. Auch an geeigneten Trainings herrscht bitterer Mangel. Für eine Auslandsentsendung im Rahmen eines multinationalen Projektes taugt ein interkulturelles Training wenig, das nur EINE Zielkultur im Fokus hat.

Die erste Voraussetzung für den Erfolg einer interkulturellen Auslandsvorbereitung für ein multinationales Projekt ist daher: Das Training muss auf die spezifischen Rahmenbedingungen, d. h. auf die konkrete Projektsituation ausgerichtet und kulturübergreifend sein. Der nächste Punkt ist genauso wichtig: Für jeden Mitarbeiter muss ein maßgeschneidertes Paket geschnürt werden. Schließlich ist jeder Mensch ein Individuum. Damit Unternehmen ihre Ressourcen zielgerichtet und effektiv für die Auslandsvorbereitung investieren, sollte an erster Stelle ein ausführliches Mitarbeitergespräch stehen. Leitfragen dabei: Welche Kenntnisse und Persönlichkeitskompetenzen sind bereits vorhanden? Wo sieht der Mitarbeiter selbst noch Defizite? In welchen Bereichen wünscht er sich Unterstützung? Nicht jede Methode ist für jeden Mitarbeiter geeignet. Manche entwickeln mit viel Freude und Spaß ihre interkulturelle Kompetenz in Trainings mit ihren Kollegen. Andere kommen vielleicht mit einem individuellen Coaching weiter, das auf ihre speziellen Rahmenbedingungen eingeht. Die Wirklichkeit sieht dagegen oft trist aus: Die Mitarbeiter werden in ein standardisiertes interkulturelles Training geschickt, das nur auf die Rahmenbedingungen im Zielland eingeht und in dem Checklisten mit Do’s und Don’ts verteilt werden. Die Gefahr ist sehr groß, dass die Wirkung eines solchen Standardtrainings sehr schnell verpufft. Denn in jeder Phase der Auslandsentsendung gibt es andere Herausforderungen, die vor der Entsendung meist noch gar nicht abgeschätzt werden können. Daher ist es sehr wichtig, dass Mitarbeiter während des gesamten Entsendungsprozesses – von der Vorbereitung über die Integration im Ausland bis zur Reintegration im Heimatland – intensiv und individuell begleitet werden. Die Maßnahmen sollten dabei sowohl auf die Art der Entsendung – projektbezogen oder klassische Entsendung – als auch auf die Persönlichkeit des Mitarbeiters, seine familiären und sonstigen Rahmenbedingungen sowie auf das Zielland abgestimmt sein. Das Angebot muss von Sprachtrainings, über interkulturelle Trainings und Coachings sowie Relocation Services bis hin zur Unterstützung in Ausnahmesituationen reichen.

Fazit: Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf die Frage „Wann ist eine Auslandsvorbereitung erfolgreich?“.  Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter und ihre Familien während des gesamten Entsendungsprozesses gemäß ihren individuellen Fähigkeiten, Problemen und Wünschen begleitet werden. Jede Phase des Entsendungsprozesses hat ihre spezifischen Herausforderungen – deswegen muss es für jede Phase eine qualifizierte Begleitung geben. Wer sich dieser Komplexität stellt, der wird gewinnen.

Autorin: Sonja App
Sonja App ist Geschäftsführerin von Sonja App Management Consulting, einem Beratungsunternehmen mit den Schwerpunkten internationales Management und Marketing, Diversity Management, Relationship Management und Innovationsmanagement sowie interkulturelles Training und Coaching. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing sowie interkulturelle Wirtschaftskommunikation. Vor Gründung ihres Unternehmens war Sonja App viele Jahre in großen Unternehmensberatungen und in einem Pharmakonzern im In- und Ausland tätig. Zu ihren Kunden zählen sowohl Großunternehmen als auch einige mittelständische Unternehmen aus dem In- und Ausland. Ihre umfassende internationale Erfahrung aus zahlreichen Projekten in verschiedenen Branchen bringt sie gezielt in die Konzeption von individuellen interkulturellen Beratungs-, Trainings und Coaching-Maßnahmen ein.  Sie ist Initiatorin und Moderatorin der größten virtuellen Community zum Thema Diversity Management namens „Mehr Erfolg durch Diversity“ auf internationaler Ebene (www.erfolg-durch-diversity.de) und Mentorin für Teilnehmer am Zertifikatsstudium „Zertifizierter interkultureller Trainer“ an der Universität Jena. Weitere Informationen zu Sonja App: www.sonja-app.com

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