Ist ein interkulturelles Training sinnvoll? Interview mit einem Expat I/II

11. Oktober 2010 § 7 Kommentare

Besonders wertvoll für die Einschätzung inwieweit interkulturelle Trainings sinnvoll sind, ist es eine gute Idee die Zielgruppe dieser Trainings zu befragen. Wie empfinden diese das Training im Rückblick, nach ihrer Entsendung? War es hilfreich oder hätte man sich die Teilnahme auch sparen können?

Ich hatte die Gelegenheit mit einem äußerst erfahrenen Expatriate zu sprechen. Martin Knoss war von seinem Arbeitgeber 5 Jahre nach Südkorea und 4 Jahre nach China entsandt worden. Er ist seit einigen Monaten zurück in Deutschland. Als Vertriebler stand Martin Knoss in regem Kundenkontakt mit Koreanern bzw. Chinesen. Ebenso hatte er Personalverantwortung für Mitarbeiter aus beiden Ländern. Vor jeder Entsendung besuchte er mit seiner Frau ein interkulturelles, länderspezifisches Training.

1. Zuerst beantwortete er mir die Frage ob die interkulturellen Trainings generell hilfreich für den Auslandsaufenthalt waren.

Zusammenfassung: Obwohl beide Trainings vom gleichen Anbieter durchgeführt wurden, fällt die Bewertung hier recht unterschiedlich aus. Das erste Training war sehr, das zweite Training weniger hilfreich.

2. Interessant ist auch die Frage, welche Teile bzw. Inhalte der Trainings als besonders wertvoll empfunden wurden.

Zusammenfassung: Im ersten Schritt sind es die ganz handfesten Informationen die geholfen haben: die Does and Donts. Darüber hinaus sind es Landes- und Hintergrundinformationen die das Andere besser verstehen lassen, die Martin Knoss besonders am Training geschätzt hat.

3. Ich frage genauer nach, wie mit den Unwägbarkeiten von Does and Donts umzugehen ist.

Zusammenfassung: Es ist interessant, dass hier die Einschätzung so anders ist als von Experten für das Thema. Es ist eine Art Konsens unter den Trainingsanbietern, dass Does and Donts nicht sonderlich hilfreich, ja sogar gefährlich weil Vorurteile verhärtend, sind.

Allerdings schätzt mein Interviewpartner Does and Donts nicht nur deshalb als hilfreich ein, weil sie so praktisch sind. Sondern weil man mit ihnen das Interesse an den Kolleginnen und Kollegen zeigen kann. Dies ist für eine erfolgreiche Auslandstätigkeit elementar.

Vielleicht trauen wir als Trainer unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu wenig zu. Den meisten ist wohl sehr klar, dass diese Etikettefragen nicht dogmatisch zu sehen sind, sondern eben als Umgangsformen, die im Zweifel genauso weich, locker und subkulturspezifisch zu handhaben sind, wie bei in der Heimatkultur/ den Heimatkulturen auch.

Im zweiten Teil geht es darum, ob Trainings helfen, im Entsendungsland die Ziele besser zu erreichen und inwieweit Trainings in der Lage sind, das Thema angemessen zu vermitteln und zu bearbeiten.

Waren diese Hinweise von einem Expat für Sie hilfreich?

Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Henkel

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§ 7 Antworten auf Ist ein interkulturelles Training sinnvoll? Interview mit einem Expat I/II

  • […] This post was mentioned on Twitter by Leo Salazar and Steffen Henkel, Steffen Henkel. Steffen Henkel said: @Angela3004 Jetzt ist es frei geschaltet. Bitte das Versehen zu entschuldigen: http://wp.me/pLuf3-cY […]

  • Sehr schöner Beitrag!

    Ich bin als Trainer auch davon weggekommen, die Do’s & Don’ts zu verteufeln — sie helfen jedem dabei, sich in einem komplexen und neuen Umfeld ein wenig Sicherheit und Struktur zu geben (und da nehme ich mich selbst nicht aus davon!).

    Natürlich sind sie mit der nötigen Distanz zu sehen und auch zu verwenden — aber oft sind es genau die kleinen Tipps, Tricks und Kniffe, die den Einstieg in andere Kulturen erleichtern.

    Andreas Hauser

    • Vielen Dank für die Rückmeldung.

      Ich sehe das mit den Does and Donts ähnlich. Entscheidend ist bei unserer Aufgabe ja, was den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hilft. Und wenn solche Tipps und Kniffe als hilfreich empfunden werden, wäre es eigenartig, sie ihnen vorzuenthalten.

      Wobei sich hier einer der entscheidenden Diskrepanzen von Trainingsdienstleistungen zeigt: Es besteht der Anspruch nach Veränderung und die Menschen wirklich weiter zu entwickeln. Tatsächlich aber geht es Tricks, Tipps und Kniffe.

      Oder konstruiere ich diese Diskrepanz nur?

      Viele Grüße

      Steffen Henkel

  • Lieber Steffen,

    wer hat sich denn jemals ganz ohne Tipps, Hilfen, Kniffe und Eselsbrücken an ein neues Thema rangewagt? Besonders, wenn es sich um eine emotional unsichere Situation handelt?

    In den richtigen Händen sind Do’s & Don’ts ein sehr guter Einstieg und eine Unterstützung — und wenn das verstanden ist, dann ist der Lernweg bereitet!

    Herzliche Grüße,

    Andreas

    http://www.developingculture.com

    • Anne Niesen sagt:

      Liebe Kollegen,
      ich stimme euren Kommentaren absolut zu!
      Pädagogisches Muss ist nach wie vor: Menschen dort abzuholen, wo sie stehen.

      Herr Knoss erwähnt zwei sehr wichtige Dinge: Guter Wille und echtes Interesse. Ihm scheint das selbstverständlich zu sein und auf dieser Basis fallen Tipps auf fruchtbaren Boden und werden flexibel gehandhabt.
      Dies ist aber nicht immer so (wie von dir Steffen optimistisch beschrieben).
      Wenn eine Vorbereitungsmaßnahme genug Zeit lässt, ist es absolut notwendig genau diesen Boden zu bereiten, damit die konkreten Tipps auf fruchtbaren Boden fallen können und nicht in eine innere starre Checkliste eingeordnet werden – sehr kontraproduktiv …

      Grüße, Anne

    • Lieber Andreas,

      da hast Du wohl recht. 🙂 Ich frage mich darum, warum sie so stark abgelehnt werden. Es ist wie immer eine Frage der Anwendung und wie man Does & Donts nutzt und einführt… so wie Du und Anne das auch beschrieben.

      Schön, darüber Klarheit gewonnen zu haben.

      Viele Grüße

      Steffen

  • […] angekündigt der zweite Teil des Interviews mit einem Expat über seine Erfahrungen mit interkulturellen Trainings und seiner Einschätzung […]

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