Ist ein interkulturelles Training sinnvoll? Interview mit einem Expat II/II

13. Oktober 2010 § 7 Kommentare

Wie angekündigt der zweite Teil des Interviews mit einem Expat über seine Erfahrungen mit interkulturellen Trainings und seiner Einschätzung über ihren konkreten Wert für seine Arbeit.

4. Nun stelle ich eine meiner Ansicht nach ganz entscheidende Frage: Hat das Training dabei geholfen, die Ziele die für die Arbeit in den Entsendungsländern aufgestellt waren, besser zu erreichen? Wie nachlesbar halte ich dieses Kriterium für das ausschlaggebende bei der Betrachtung bzw. Durchführung von interkulturellen Trainings.

Zusammenfassung: Mein Gesprächspartner bejaht dies deutlich. Dabei argumentiert er, dass durch das Training und die Teilnahme daran, die Menschen im Zielland erkennen, dass man sich versucht anzupassen, langfristig engagiert ist und dem Zielland Respekt entgegen bringt. Die zu vermitteln erleichtert die Zusammenarbeit – und damit die Zielerreichung – offenbar sehr.

5. Was hätte das Training noch besser gemacht? Welche Informationen haben noch gefehlt?

Zusammenfassung: Wiederum eine sehr interessante Antwort: Hilfreich wäre es gewesen, auch Hinweise über das eigene Verhalten bei der Rückkehr zu erhalten. Am besten ist es vor der Rückkehr noch einmal eine Seminareinheit dazu zu erhalten. Martin Knoss gibt ein interessantes Beispiel: direkte bzw. indirekte Kommunikation.

6. Ist das Format „Training“ für den Zweck den es erreichen soll angemessen – oder hätte sich mein Gesprächpartner eher ein anderes Vorgehen gewünscht?

Zusammenfassung: Grundsätzlich war das Format in Ordnung. Darüber hinaus bestand beim ersten Training die Möglichkeit, nach einiger Zeit einige Gespräche mit dem Trainer/ der Trainerin vor Ort zu führen. Martin Knoss betont, dass dies sehr wertvoll gewesen ist. Dabei ist der persönliche Kontakt mit den Trainern wichtig, beziehungsweise schafft dieser höhere Verbindlichkeit. Virtuelle Kommunikationsformen hätte er wahrscheinlich nicht so gerne angenommen. In diesen Gesprächen findet ein „Theorie-Praxis-Abgleich“ statt, der als sehr hilfreich empfunden wurde.

Fazit: Mein Gesprächpartner hat seine Trainings grundsätzlich als sehr hilfreich wahrgenommen. Auch eher umstrittene Methoden, wie beispielsweise Does & Donts waren für ihn wertvoll – allerdings nicht unbedingt nur wegen der darin enthaltenen „Handlungsanweisungen“ als vielmehr durch die Botschaft die man durch deren Kenntnis bzw. dem Versuch der Umsetzung den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, sendet.

Vorschläge für eine bessere Vorbereitung sind (a) auch vor Ort Ansprechpartner für Gespräche über dieses Thema zu haben, am besten die Leute die das Training durchgeführt haben. Es sollte (b) auch zur Rückkehr noch eine Seminareinheit geben, die auf einige der Schwierigkeiten vorbereitetn, die man zu erwarten hat.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Fragen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und verbleibe

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

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§ 7 Antworten auf Ist ein interkulturelles Training sinnvoll? Interview mit einem Expat II/II

  • […] This post was mentioned on Twitter by Roland Kopp-Wichmann, Steffen Henkel. Steffen Henkel said: Ist ein interkulturelles Training sinnvoll? Interview mit einem Expat II/II: http://wp.me/pLuf3-dp […]

  • Rene Winter sagt:

    Ich habe selbst 7 Jahre in Russland gearbeitet. Die Vorbereitung auf eine Entsendung ist aus meiner Sicht unabdingbar. Neben der Sprache, sollte sich jeder der im Ausland arbeiten will, auch über die Sitten und Gebräuche des „Gastgeberlandes“ nicht nur informieren, sondern auch verinnerlichen. Ob über ein Training oder andere Möglichkeiten, sei dahingestellt.
    Ein Umzug mit Frau und Kind bedarf Vorbereitung in vielerlei Hinsicht. Die Arbeit ist nur ein Teil, das Leben der andere. Bei meiner letzten Entsendung fehlte das Verständnis und Wissen, was es bedeutet im Ausland zu arbeiten, seitens der Firmenleitung. Diskussionen eigentlich über die einfachsten Sachen, wie z.B. zusätzliche Krankenversicherung, Rückflüge für den Notfall usw., waren an der Tagesordnung.
    Für mich war immer eine Sache von oberster Bedeutung: „Ich bin Gast“ und habe mich nach den Regeln des Landes zu verhalten. Regelverstöße habe ich oft genug erlebt. Man schämt sich dann nur …

    • Hallo Herr Winter,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich, dass wir hier ganz ähnliche Vorstellungen haben. Interessant ist für mich, dass Sie ganz unterschiedliche Dinge als notwendig ansehen: sowohl die interkulturellen Aspekte als auch die ganz praktischen Dinge, wie Krankenversicherung und Vertragsgestaltung. Sollte man diese Dinge Ihrer Ansicht nach gebündelt durchführen bzw. anbieten?

      Hatten Sie ein Training oder haben Sie sich auf andere Art und Weise vorbereitet? Es wäre sehr spannend zu erfahren, wie.

      Mit freundlichen Grüßen

      Steffen Henkel

      • Rene Winter sagt:

        Neben den Arbeitsbedingungen müssen auch die Rahmenbedingungen für einen Auslandseinsatz für einen Mitarbeiter stimmen. Nur wer kennt diese vor seinem Einsatz, wenn er das 1. Mal entsendet wird? Für mich gehört das Leben im Land genauso dazu, wie die Arbeit. Meine Frau hat mir den Rücken freigehalten, sich um unsere damals 2 jährige Tochter gekümmert und das tägl. Leben bestritten. Was 1992 in Russland nicht einfach war. Einkaufen war eine Tagesaufgabe 😉 Inzwischen sieht das natürlich anders aus. Man muss es aber wissen. Und deshalb gehört für mich diese Vorbereitung genauso dazu, für alle Beteiligten.
        Meine Vorbereitung:
        Landes- und Sprachkenntnisse habe ich bereits mitgebracht aus den ’80 igern mitgebracht. In den ’90 igern kamen viele neue Sachen dazu: Umzug + Zoll, Familie, Kündigung meiner Arbeit in Moskau und anschließend Selbstständigkeit ohne Rückkehr nach Deutschland. Auf alles kann man sich nicht vorbereiten.

  • Anne Niesen sagt:

    Herr Knoss (Glückwunsch dem Unternehmen für einen solch sympathischen, reflektierten Mitarbeiter!) spricht sehr wichtige Themen an.

    a) Auch ich halte das Thema Kommunikation mit dem Mutterhaus für absolut erfolgsentscheidend und sehr vernachlässigt. Ich habe einige Expats gesehen, die dieses Spagat nicht geschafft haben: Entweder, sie waren auch nach vielen Jahren im Ausland nur mit dem Mutterhaus richtig vernetzt (auch emotional) oder sie waren ein Fall von „going native“, d.h. ohne Vernetzung und Verständnis für HQ. Beides führt zur Ineffizienz und Wirkungslosigkeit. M.E. gehört diese Balance zu den anspruchsvollsten Aufgaben eines Expats. Ohne enorm hohe Reflektionsfähigkeit nicht zu bewältigen.

    Erfahrungsgemäß muss das in einem Expatcoaching thematisiert werden – nicht im vorbereitenden Training, hier ist das Verständnis oft noch nicht gegeben.

    b) Integration nach Rückkehr: Viele Unternehmen verlieren hier wertvolle Ressourcen und Mitarbeiter. War für Herrn Knoss Kommunikation der Knackpunkt, so ist es für andere oft eher die plötzliche relative Bedeutungslosigkeit – um nur zwei Punkte zu nennen.
    Frage an Herrn Knoss: Was müsste passieren, damit Unternehmen diese Form der Unterstützung anbieten? Haben Sie als Expat diese Ideen schon firmenintern formuliert?

    Herzliche Grüße und wie immer gespannt auf Reaktionen,
    Anne Niesen (kAN Consulting)

    • Martin Knoss sagt:

      Hallo Frau Niesen,

      Danke für die netten Worte!

      a) Ich stimme zu, dass Coaching den Spagat zwischen Mutterhausbindung und „going native“ am besten adressiert. Ich habe persönlich aber auch sehr davon profitiert, dass mein Vorgesetzter diese Thematik bei meinem Abschlussbesuch bei ihm vor Ausreise explizit angesprochen hat. Ich wusste da noch nicht so recht was er damit meinte, habe den Aspekt dann aber bewusst in der Tagesarbeit beachtet.

      b) Wir führen in unserer Firma Rückkehrerseminare durch. Dies ist sicher die optimale Form der Reflexion und Nachbereitung. Wer nicht so weit gehen will oder kann, sollte aber m.E. wenigstens eine Plattform schaffen wo die Ex-Expats ihre Erfahrungen und Kritik anbringen können, z.B. in einem Halbtages-Workshop mit einer Führungskraft und der HR-Abteilung.

      Freundliche Grüße
      Martin Knoss

      • Anne Niesen sagt:

        Lieber Herr Knoss,
        Sie scheinen ein gutes Umfeld zu haben!
        Verständnis des direkten Vorgesetzten ist perfekt – dann können Lösungen gefunden werden gemeinsam.

        Grüße in den Süden (?),
        Anne Niesen

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