Sinnlose Belehrung – Veränderung geschieht! Interview mit Richard Seeger

16. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Diese Woche hatte ich die Gelegenheit mit dem Strategieexperten Richard Seeger zu sprechen. Die Inhalte des Gesprächs möchte ich hier zusammengefasst darstellen. Richard Seeger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Systemwissenschaften und Kybernetik und hat unter anderem aufgrund eines Bearbeitungsrechts an der Kybernetischen Managementlehre (EKS) nach Prof. Wolfgang Mewes das Blended Learning System EKS-PC entwickelt. Er hat die Ambition Menschen zu mehr Erfolgen zu bringen.

Im Gegensatz zu den üblichen Ansätzen – ja sogar im Gegensatz zu den westlichen Vorstellungen – wie persönliche Veränderung geschieht, hat Herr Seeger einen gänzlich anderen Ansatz. Er selbst drückt ihn so aus:

ALLECTUS MUTATA RESURGO – PER OMNES GENTES

Der in einen höheren Rang Erhobene kehrt verwandelt wieder – in allen Gesellschaften dieser Welt
© Richard Seeger

Die Implikationen dieses Satzes mögen im ersten Anlauf nicht deutlich werden, sind jedoch gewaltig. Begleiten Sie mich beim Aufschnüren der Argumentationskette wie sie mir durch Richard Seeger verdeutlicht wurde.

Unsere klassisch-westliche, letztlich durch die sokratische-platonische geformte, Denktradition, geht davon aus, dass Veränderung und Lernen durch Belehrung möglich ist. Wir wissen zwar, dass Babys und Kleinkinder äußerst effektiv und effizient durch Nachahmen und Ausprobieren lernen. Unser Bildungssystem verlässt diesen Weg jedoch und versucht durch Belehrung den Menschen zu formen.

Die Gegenthese lautet: der Mensch wird zu einem erheblichen Teil durch Erziehung und Umgebung geformt. Eine geänderte Position in der soziostrukturellen Umgebung (= das Geflecht aus Abhängigkeiten und Hierarchien in welchem sich jeder Mensch befindet) bedeutet daher auch eine Veränderung des Menschen selbst.

Identitätsmodell

(c) Richard Seeger

Eine Person auf der oberen Schlaufe ist ein anderer Mensch als die gleiche Person auf einer unteren Schlaufe. Dies ist eine wertfreie Tatsache. Die Bewertung des Wechsels durch die Umgebung ist natürlich oftmals vorhanden – und fällt nicht immer positiv aus.

Was ist die Aufgabe des Coachs dabei?

Möchte man einen Menschen in Veränderung bringen, gelingt dies nur indem man die soziostrategische Struktur in welcher er sich befindet (a) durchschaut und (b) man eine Änderung der Position in dieser Struktur ermöglicht. Dabei ist davon auszugehen, dass der Begleiter bzw. Coach die soziostrategischen Strukturen besser durchschaut als der Klient. Daher kann er Anweisungen erteilen, welche Handlungen in dem Gefüge vorzunehmen sind um eine Positionsänderung zu bewirken.

Davon ausgehend, dass alle menschlichen Beziehungssysteme hierarchisch strukturiert sind, hat ein wirkungsvolleres Handeln in dem Beziehungsgeflecht eine erfolgreiche Veränderung der Position zur Folge. Es ist also die Aufgabe, sich die Fragen zu beantworten, wie man in diesem Netz aus Machtstrukturen, Abhängigkeiten und Hierarchien einen größeren Nutzen erzeugt. Ein Stellungswechsel erfolgt dann quasi von selbst.

In dieser Situation ist es natürlich die Aufgabe als ethisches Wesen durch einen möglichst großen Nutzen den man stiftet in eine bestimmte Position zu kommen – und nicht durch Rücksichtslosigkeit und Ellenbogenmentalität.

Die Kette der Geschehnisse in einem Coachingprozess ist also folgende:

(1)     Der Coach nimmt die Person und die soziohierarchische Struktur in welcher dieser sich befindet wahr.

(2)     Der Coach nimmt durch entsprechende Interventionen Einfluss auf die Person und ihre Stellung in der soziohierarchisch Struktur. Der Coach ist dazu in der Lage, da er aufgrund seiner Erfahrung und Kenntnisse die Auswirkungen von bestimmten Handlungen besser einschätzen kann als der Klient.

(3)     Die neue soziohierarchische Position des Klienten wirkt auf diesen und hat so eine Veränderung zur Folge. Die mit dieser Veränderung einhergehende Infragestellung der eigenen Identität und den daraus resultierenden Druck können durch die Begleitung des Coachs gemildert werden.

Für die Richtigkeit der dem Vorgehen zugrunde liegenden Annahmen gibt es eindrucksvolle Belege. Als Beispiel seien hier nur die teilweise erschreckende Veränderung von Menschen aufgrund zugewiesener Rollen genannt, wie dies im Stanford Prison Experiment geschehen ist. (Sie finden hier und hier einige weiterführende Informationen dazu.)

Positivbeispiele für ein solches Vorgehen bieten die oftmals unglaublich scheinenden Erfolge Milton Ericksons.

Unterstützt werden die Konsequenzen für das Lernen mittlerweile auch durch Erkenntnisse der Neurobiologie. Darauf und die daraus folgenden Konsequenzen für interkulturelle Weiterbildungsangebote werde ich in den nächsten Blogartikeln eingehen.

Ich bin gespannt auf Ihre Gedanken dazu und verbleibe für heute

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Advertisements

Tagged:, , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Sinnlose Belehrung – Veränderung geschieht! Interview mit Richard Seeger auf Wirkung in der interkulturellen Weiterbildung.

Meta

%d Bloggern gefällt das: