Wann ist ein interkulturelles Training effektiv? – Gastbeitrag

27. Oktober 2010 § 6 Kommentare

(C) S. Hofschlaeger, pixelio

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Vor einiger Zeit versuchte ich in einer Blogparade eine Reihe von Sichtweisen auf die Frage „Wann ist eine interkulturelle Auslandsvorbereitung erfolgreich?“ zu erhalten. Antworten auf diese Frage erhielt ich von einem Trainer, einer Anbieterin, einem Expatriate und einer begleitenden Ehefrau. Was fehlte, war die Antwort aus Sicht der Nachfrager von interkulturellen Trainings. (Ich habe jedoch versucht, etwas provokant selbst die Position eines Personalers einzunehmen und dazu ebenfalls einen Artikel geschrieben. Zu Beurteilen wie erfolgreich dieser Versuch ist, liegt in Ihrem ermessen. :))

Dies möchte ich nun nachholen: Angela Weinberger schrieb mir, was passieren müsste, damit sie ein interkulturelles Training als effektiv bewerten würde. Die Autorin ist Global Mobility Leader bei einer führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Für den Beitrag bedanke ich mich ganz herzlich, es ist äußerst interessant aus Sicht der Nachfrager Erfolgskriterien genannt zu bekommen.

Sie fasst ihre Antwort in einigen Stichpunkten zusammen:

Die Effektivität von interkulturellen Trainings ist gegeben, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer…

  • … das Training als prozessbegleitend, lernfördernd, freiwillig und erwachsenengerecht erleben.
  • … nach dem Training ein größeres Bewusstsein für interkulturelles Lernen entwickelt haben und wissen, was sie noch nicht wissen oder noch nicht können.
  • … nach dem Training nicht überfordert oder gar ängstlich sind.
  • … und deren EhepartnerInnen und LebenspartnerInnen in den Lernprozess eingebunden sind.
  • … ein effektives Supportnetzwerk in der Gruppe aufgebaut haben.
  • … freiwillig ein Follow-Up in Form eines 1:1-Coachings wahrnehmen.
  • … Lust auf mehr Lernen entwickeln und motiviert sind, die Sprache im Gastland zu lernen oder sich mit der Geschichte zu beschäftigen.
  • … der Transition Stress und Umgang mit Kulturschock adressiert wurde und die TeilnehmerInnen einen Weg finden, Stress abzubauen.
  • … Tools anwenden lernen wie das ODIS Model oder das Culture Lens Model und so ihre eigenen Erlebnisse eigenständig analysieren und bearbeiten können und wollen.

Was meinen Sie dazu? Sehen Sie noch weitere Kriterien oder deckt sich dieser Katalog mit Ihren Erfahrungen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Mit besten Grüßen

Steffen Henkel

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§ 6 Antworten auf Wann ist ein interkulturelles Training effektiv? – Gastbeitrag

  • […] This post was mentioned on Twitter by immowertgmbh, Steffen Henkel. Steffen Henkel said: Wann ist ein interkulturelles Training effektiv? – Gastbeitrag: http://wp.me/pLuf3-ef […]

  • Anne Niesen sagt:

    Lieber Steffen, liebe Frau Weinberger,

    diese Ziele finde ich sehr schön, umfassend und erstrebenswert und zeigen, wie sehr Sie sich mit dem Thema auskennen.

    Es sind dann jedoch mindestens 2 Tage erforderlich und erfahrungsgemäß noch ein verankertes Follow-Up-Gespräch ca. 6 Wochen nach Ausreise.

    Die Follow-Up-Sitzung sollte Teil des Paketes sein aus 2 Gründen
    a) Je nach Land braucht der Expat Unterstützunng dabei, wahrzunehmen, wie erfolgreich er/sie wirklich ist (meist erfolgt zunächst eine Verkleinerung der Probleme, „ist ja viel einfacher als Sie sagten, ich glaube, ein Coaching brauche ich doch nicht“ und eine Reduzierung auf ‚die Anderen‘ (‚die sind ja gar nicht so kompliziert‘) statt einer Reflexion des eigenen professionellen Vorgehens.

    b) Um ein Follow-Up aus der Tabuzone zu holen („Oh je, die denken, ich schaffs nicht“ – häufig der Fall)

    Was denken Sie? Und – wie kann man das in Unternehmen als Standard setzen?

    Viele Grüße
    Anne Niesen

    • Angela Weinberger sagt:

      Liebe Frau Niesen,

      Danke fuer Ihren Kommentar und die Fragen. Die Zeitfrage ist immer wieder ein Thema. Frueher haben wir gedacht, dass 5 Tage fuer einen Expat und Spouse nach Asien nicht ausreichend sind. Der Stand der interkulturellen Kompetenz ist weiterhin von Expat zu Expat sehr unterschiedlich. Daher sind Gruppentrainings ohnehin nur begrenzt hilfreich.

      Wir bereiten unsere Mitarbeiter erst vor, wenn sie schon im Host sind. Das klingt etwas komisch, hat sich aber auch bewährt.

      Das Thema der Oeffnung des Kandidaten einem Coach gegenüber haben wir dadurch geloest, dass unser Coach extern beschäftigt ist. Wir haben momentan noch zu wenig Erfahrung, wie sich das Follow-Up Coaching auf die Integration und Produktivität auswirkt. Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, dass der Lernprozess effektiver wird. Die Reflektion meines Verhaltens und die Aktivierung meines eigenen kreativen Potentials sind dabei ausschlaggebende Meilensteine gewesen.

      Aus HR-strategischer Sicht fehlt mir häufig noch die Betrachtung und Verankerung von interkultureller Kompetenz in der Talent Management Strategie. Wichtige Vernetzungen finden oft nicht wirklich statt. Coaches können den Lernprozess beim Individuum fördern, das Unternehmen kann dafür nur den Rahmen schaffen.

      Hoffentlich hilft Ihnen das und ich freue mich auf weiteren Austausch. Danke Herr Henkel, dass ich hier dabei sein darf.
      Angela Weinberger

      • Anne Niesen sagt:

        Liebe Frau Weinberger,

        Sie haben geschrieben
        „aus HR-strategischer Sicht fehlt mir häufig noch die Betrachtung und Verankerung von interkultureller Kompetenz in der Talent Management Strategie.“
        Bei wem fehlt Ihnen dies? Wer sollte das leisten aus Ihrer Sicht? (Grundsätzlich: Absolut. Häufig wird sie in Unternehmen noch nicht mal mit in ACs geforderten Führungskompetenzen abgeglichen)

        Ich finde es absolut sinnvoll, Expats nach Ausreise zu begleiten. Coaching kann nur mit eigenem Erleben gekoppelt werden. Hier kann abgeklärt werden, woran der Coachee festmacht, ob er/sie Erfolg hat und ob dies einer Überprüfung standhält.

        Danke für Ihre Offenheit hier,
        Anne Niesen

      • Liebe Frau Weinberger,

        vielen Dank für Ihren Kommentar und die Antwort auf Frau Niesens Fragen.

        Ich teile sehr die Ansicht, dass Gruppentrainings nur begrenzt hilfreich sind. So wie ich es sehe, bereiten sie nicht sehr effektiv auf den Auslandsaufenthalt vor. Sie erfüllen wichtige Zwecke (brennende Fragen der Teilnehmer werden beantwortet, ganz praktische Themen werden besprochen, sie können Ängste und Unsicherheiten nehmen und erwartungsvolle Neugierde erzeugen) können aber die tatsächlich Erfahrung der Entsendung nicht vorwegnehmen – nicht überraschend, aber oft wird so getan als ob das ginge.

        Daher finde ich den Ansatz, dann etwas anzubieten, wenn die Expats im Ausland sind, als sehr sinnvoll.

        Eine Frage zur Messung der Wirkung der follow-up Coachings: Wissen Sie schon, wie diese Messung aussehen wird?

        Ich freue mich, dass Sie hier dabei sind und freue mich darauf von Ihnen zu lesen.

        Mit besten Grüßen

        Steffen Henkel

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