Erfahrungen mit interkulturellem Training I/II – Interview

31. Oktober 2010 § 8 Kommentare

Dieses Mal hatte ich Gelegenheit mit Danièle Grassi über ihre Erfahrung mit ihrer interkulturellen Vorbereitung zu sprechen.

Danièle Grassi war gemeinsam mit ihrem Mann für einige Jahre in China und wurde auf unterschiedliche Weisen auf diese Entsendung vorbereitet. Sie ist schon durch ihre Biographie interkulturell geprägt: sie stammt aus einer binationalen Ehe und ist in Frankreich aufgewachsen. Seit vielen Jahre lebt sie nun in Deutschland. So ist das Leben in zwei Kulturen nichts Neues für sie. Natürlich stellte China noch einmal eine ganz besondere Herausforderung dar.

1. Wie sind Sie auf Ihren Aufenthalt in China vorbereitet worden?

Daniéle Grassi beschreibt welche Vorbereitungen sie erhalten hat. Besonders hilfreich hatte sie – auch aus interkultureller Sicht – die Sprachvorbereitung des Landesspracheninstituts in Bochum empfunden.

2. War die interkulturelle Vorbereitung für Sie hilfreich?

Die Antwort fällt eindeutig aus: die Vorbereitung war sehr hilfreich für sie. Erstens konnte sie damit Fettnäpfchen vermeiden und zweitens zeigte es, dass sie sich für das Land und seine Leute interessiert – was sehr gut ankommt. Auch für das eigene Wohlbefinden war es wichtig: sie hatte dadurch das Gefühl, sich nicht ganz fremd zu fühlen und schon etwas über China zu wissen.

Sehr interessant war ihr Vorschlag einer noch tiefergehenden Betreuung. Sie beschreibt – ohne das Wort zu verwenden – ein begleitendes Coaching. Damit ist persönlichen Schwierigkeiten die man bei der Entsendung eventuell erfahren kann, besser zu begegnen.

3. Wie könnte man die Betreuung bzw. Vorbereitung verbessern?

Danièle Grassi schlägt Einzelcoaching vor. Dieses könnte sogar dabei helfen, zu entscheiden, ob jemand tatsächlich für eine Entsendung geeignet ist. In etwas abgeschwächter Form könnte es zu einer Art „Potentialanalyse“ verwendet werden, ganz konkrete Hilfrestellungen, auf welche Dinge besonders zu achten ist. Ein 2-tägiges Seminar hilft dabei, den groben Überblick zu gewinnen.

Besonders wertvoll empfindet sie es, Chinesen mit einzubeziehen. Wir erwähnen im Gespräch das ifim, welches immer binationale Trainerteams einsetzt.

Im nächsten Artikel beschreibt Frau Grassi ihre Vorbereitung etwas näher, erzählt, wann der Auslandsaufenthalt besonders schwierig war und hat Empfehlungen für andere Expats.

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§ 8 Antworten auf Erfahrungen mit interkulturellem Training I/II – Interview

  • Sylvia sagt:

    Liebe Danièle, lieber Steffen,

    wirklich ein super informatives Interview.

    Wir (mein Mann und ich) sprechen schon so lange genau über das Thema „Coaching vor Ort“. Viele Unternehmen sind der Meinung „ihren Dienst am Mitarbeiter getan zu haben“, wenn sie ein interkulturelles 2-Tages-Seminar organisiert/bezahlt haben.

    Wenn man vergleicht, was eine Entsendung eines Mitarbeiters kostet (und erst recht ein Abbruch der Entsendung), sind Vor-Ort-Coaching-Kosten nur ein Bruchteil der Investition.

    In nun insgesamt 2 Interviews dieser Reihe wird das Coaching vor Ort thematisiert. Hoffentlich sehen sich auch einige Personalverantwortliche diese Interviews an und nehmmen sie ernst und die Informationen für sich mit. Denn hier sprechen die erfahrenen Ex-Expats 😉

    Ich freue mich schon auf den 2.Teil des Interviews.

    Viele Grüße
    Sylvia

    • Liebe Sylvia,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Tatsächlich denke ich, dass ein begleitendes Coaching viel mehr dazu in der Lage ist, dem Expat und der begleitenden Familie den Einstieg in einem fremden Land zu erleichtern und dadurch auch effektiver die an sie bzw. ihn gestellten Aufgaben zu lösen. Trainings (besser: Seminare) werden dadurch nicht überflüssig, sie erhalten nur die Stellung, die ihnen nach den Möglichkeiten der Zielerreichung auch „zustehen“. Ergänzt wird das Angebot durch Workshops um ganz bestimmte Themen mit den Auftraggebern zu besprechen, z. B. die kulturadäquate Anpassung eines Messeauftritts.

      Bei mir kristallisiert sich immer mehr eine optimierte Herangehensweise bei der Entsendungsbegleitung heraus. Als ich jedoch anfing, diese hier darzustellen, wurde mir klar, dass dies sehr lang werden würde für die Antwort auf einen Kommentar. Ich mache daher daraus einen eigenen Blogartikel, der nach dem Interview mit Frau Grassi erscheinen wird. 🙂 Ich hoffe, das ist so in Ordnung.

      Viele Grüße

      Steffen

  • Vielen Dank für diesen außerordentlich interessanten Beitrag.

    Ich betreue derzeit gerade eine Familie, d.h. den Mitarbeiter einer deutschen Firma, der mit seiner Familie nach China entsandt wurde. Obwohl beide bereits zuvor im Ausland gelebt haben, war China nicht gerade ihr Wunschziel, und die Entsendung bereitete ihnen einiges an Bauchschmerzen. Glücklicherweise – was wirklich selten der Fall ist – war die Firma bereit, nicht nur in ein allgemein interkulturelles Training zu investieren, sondern darüber hinaus auch in die weitere Betreuung vor Ort.

    Der erste dieser Folgetermine findet demnächst statt. Die Chancen stehen gut, dass auch die Rückkehr in 2-3 Jahren entsprechend vorbereitet und begleitet werden wird, um dem „reverse culture shock“ zu begegnen und die Wiedereingliederung zuhause zu erleichtern. Somit wäre hier ein vollständiger Zyklus Vorbereitung – Entsendung – Begleitung/Coaching – Vorbereitung – Rückkehr gegeben.

    Aus Trainersicht finde ich es aber auch wichtig, sich klarzumachen, dass ein Coaching andere Grundlagen und andere Methoden bedingt als ein Trainig, also auch an den Trainer/Coach andere Anforderungen stellt, was sich auch zum Teil aus dem Interview ergibt.

    Dazu gehört zum Beispiel:
    1) Coaching ist in der Regel eine Einzel- oder höchstens Paarbehandlung, ein Training dagegen bietet sich auch für größere, auch heterogene Gruppen an – viele interaktive Übungen funktionieren sogar nur in Gruppen.

    2) Während beim Training vor allem der Trainer die Inhalte vorgibt und den Lernprozess steuert, steht beim Coaching der/die Coachee stärker im Mittelpunkt, d.h. der Coach begleitet den Coachee und unterstützt bei der Lösung von Problemen.

    3) Ein Coach stärkt vor allem die eigene Lösungskompetenz des Coachee, und geht damit mehr in Richtung Lebensberatung in der interkulturellen Lebens- und Arbeitssituation.

    4) Möglicherweise treten im Verlauf des Coaching recht schnell größere Konflikte im beruflichen oder privaten Bereich zutage, die der Coach auch auffangen muss.

    Der Coach sollte deshalb noch mehr als der Trainer auch in diesem Bereich über entsprechende Kompetenzen verfügen.

    Viele Grüße

    Christina Werum-Wang

    • Liebe Frau Werum-Wang,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und ich gratuliere, dass es Ihnen gelungen ist, einmal einen ganzen Zyklus zu begleiten bzw. damit zu beginnen. Das gelingt tatsächlich selten.

      Ich hoffe sehr, dass allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs der Unterschied zwischen Training und Coaching klar ist – auch wenn im täglichen Gebrauch die Dinge sehr gerne durcheinander geworfen werden. Gleiches gilt für Begriffe wie Workshop, Seminar etc.

      Mir ist mittlerweile auch der Begriff „Training“ suspekt, da dort meiner Erfahrung nach nichts „trainiert“ wird. Es werden vielmehr Inhalte vermittelt, ein bisschen erfahren und ein bisschen ausprobiert.

      Unter Training verstehe ich etwas anderes, nämlich etwas immer und immer wieder zu machen, bis sich dadurch eine Leistungssteigerung einstellt. Diese Leistungssteigerung kann entwerder ganz physisch stattfinden, wie beim Sporttraining oder eben „psychisch“ was bei einem Kommunikationstraining oder interkulturellen Training geschehen sollte. Da aber dort eben nicht „trainiert“ wird, kann es nicht dazu kommen.

      Vielleicht ist es Wortglauberei was ich hier betreibe. Da ich jedoch das Ziel habe, echt wirkungsvolle interkulturelle Weiterbildung anzubieten, ist mir diese Unterscheidung wichtig. Zumindest bei der Kommunikation mit den Kunden möchte ich die Unterscheidung klarer machen – allerdings natürlich ohne Kunden belehren zu wollen. 🙂

      Was meinen Sie?

      Viele Grüße

      Steffen Henkel

  • Hallo Herr Henkel,

    ich kann Ihnen da nur zustimmen. Leider ist die Light-Version von Training weit verbreitet, und auch Coaching ist nicht davor gefeit, inflationär im Munde geführt und missnutzt zu werden, ohne dass den Protagonisten auch nur klar ist, was sie anrichten – getreu dem Motto „was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, anders gesagt: woher wissen, dass man nicht weiß?! Hierbei handelt es sich übrigens um ein Phänomen, das auch als Dunning-Kruger-Effekt bekannt ist.

    Tatsächlich verdienen viele „Trainings“ den Namen nicht, man rauft sich manchmal die Haare, was da alles angeboten wird. Unternehmen machen zuweilen recht schlechte Erfahrungen mit interkulturellem Training, das sich in langatmigen Monologen über chinesische Kultur, lustigen Schwänken aus dem interkulturellen Leben des Referenten und dem Abendessen im Chinarestaurant als Highlight der ganzen Veranstaltung erschöpft. Unternehmen, die daraufhin kein Geld mehr für solche Mätzchen ausgeben und ihre Mitarbeiter nicht freistellen wollen, kann ich es wirklich nicht verübeln. Das ist umso ärgerlicher, weil es den Ruf der Zunft ruiniert, und man unweigerlich in Sippenhaft genommen wird.

    Andererseits finde ich es auch wichtig, den Kunden klarzumachen, dass auch in einem – vorzugsweise eintägigen – Seminar die Trainingsmöglichkeiten naturgemäß begrenzt sind. Interkulturelle Kompetenz erwirbt man nun mal nicht an einem Tag, sondern es handelt sich um einen langen, eigentlich unendlichen Prozess, auf den man sich einlassen muss. Als Trainerin kann ich nur viele Anstöße liefern, die hoffentlich Aha-Effekte auslösen und dazu führen, dass die Teilnehmer gewohnte Sichtweisen in Frage stellen und aktiv versuchen, andere Perspektiven einzunehmen, andere Kommunikationsstile einzuüben etc. . Es geht dabei weniger darum, statische Verhaltensweisen zu „trainieren“, oder darum, das eine Festgefahrene durch das nächste Stereotyp zu ersetzen. Stattdessen geht es eher gerade darum, Festgefahrenes aufzubrechen und sich eine größere Bandbreite an Kommunikations- und Verhaltensweisen zu erarbeiten.

    Es soll nun natürlich bitte keiner meinen oder erwarten, dass ich diese Dinge in ihn hineinzaubern könne, dass er sich nicht selbst und beständig darum bemühen müsse. Wie gesagt, der Erwerb von interkultureller Kompetenz ist ein langer Prozess, ähnlich der Erst-Sozialisation in der eigenen Kultur, und ohne die aktive Mitarbeit der Betroffenen kann auch der Trainer wenig ausrichten.

    Ich denke, was das Ziel guter interkultureller Weiterbildung betrifft, sind wir uns weitgehend einig, und ich finde es ausgesprochen wichtig, dies auch dem Kunden zu kommunizieren und deutlich zu machen – das hat nicht das Geringste mit Wortklauberei (ja, ja wir glauben nicht nur Worten, sondern zuweilen klauben wir sogar welche… 😉 ) zu tun. Und wenn man das klargemacht hat, sind viele Kunden auch sehr dankbar für den echten Mehrwert. Die anderen – nun ja, denen kann ich eben auch nicht helfen.

    Die Rückmeldung auf meine Seminare ist jedenfalls – wenn ich das in aller Bescheidenheit dennoch erwähnen darf – durchweg hervorragend bis begeistert nicht nur was Inhalte und Präsentation betrifft, sondern gerade auch im Sinne der Wirksamkeit, und ich denke, das gibt dem anspruchsvollen Ansatz sozusagen „Recht“.

    Beste Grüße (schon fast auf dem Weg zum Flughafen)
    Christina Werum-Wang

    • Liebe Frau Werum-Wang,

      vielen Dank für diesen interessanten und inspirierenden Kommentar.

      Ich werde nun doch in Kürze einen Artikel schreiben, indem ich einmal die Begriffe versuche zu sortieren. 🙂

      Ihr Kommentar hat mich nun dazu gebracht, das Wort „Training“ noch weniger verwenden zu wollen. Vorher fand ich den Begriff unpassend, weil nicht tatsächlich etwas trainiert wird. Nun finde ich, dass auch gar nichts trainiert werden soll. Training geht nur bei immer gleichen Bewegungen und Abläufen – eben im Sinne von Drill, Nicht-mehr-nachdenken-müssen. Und diese Haltung ist für interkulturelle Kompetenz nun tatsächlich gänzlich unangemessen.

      Vielen Dank für diese Einsicht. Ich bin gespannt, was Sie dann zu meinen Definitionen und Begriffserklärungen sagen werden.

      Viele Grüße

      Steffen Henkel

  • Sylvia sagt:

    Lieber Steffen, liebe Frau Werum-Wang,

    Sie sprechen mir beide sehr aus der Seele!Ich habe einen Kunden, der sich glücklicherweise nochmals auf das „Abenteuer“ Interkulturelle Kompetenz eingelassen hat, nachdem 2 Trainer dort recht viel Unheil angerichtet hatten. Das Traurige dabei war, dass ich ca. 3 Std. brauchte, um die Teilnehmer aus ihrer „Arm-übereinander-Verschränk-Abwehrhaltung“ heraus zu bekommen.

    Interkulturelle Kompetenz bedeutet für mich „stetiges Lernen“ und nicht trainieren – wie Steffen bereits auch definiert hat. Und als Mensch lernt man bekanntlich nie aus. Selbst nach über 9 Jahren Erfahrung in Asien holt meinen Mann und mich bisweilen heute noch der bekannte „Aha-Effekt“ ein. Zumal sich Kultur ja auch ändert und im Wandel, nicht festgeschrieben oder statisch ist.

    Ich selbst biete (derzeit) kein Coaching an. Denn „Schuster bleib bei Deinen Leisten“. Wenn ich aber lese, dass KollegenInnn nach einer einwöchig andauernden „Kompakt-Coachingausibldung“ sich Coach nennen, stellen sich bei mir schlichtweg die Haare hoch.

    Leider ist eben der Begriff „Trainer“, „Referent“ oder „Coach“ genauso wenig geschützt wie der Begriff einer „Sekretärin“. Wenn auch viele verschiedene Verbände oder Ausbilder versuchen diesen Eindruck zu vemitteln.

    Ich musste aber auch leider schon häufig feststellen, dass selbst Personalentwickler diese Begriffe durcheinander schmeissen.

    Euch noch ein schönes Wochenende!

    Grüße Sylvia

  • […] Im ersten Teil dieses Interviews geht es um die Vorbereitung die Danièle Grassi vor der Entsendung erhalten hat, wie hilfreich diese Vorbereitung war und was sich an der Vorbereitung verbessern ließe. […]

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