Rezension: “Nur Tote bleiben liegen” von Anja Förster & Peter Kreuz

3. November 2010 § 2 Kommentare

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor der Weiterführung des Interviews von Frau Grassi mache ich heute einen Einschub und schreibe eine Rezension zu einem Buch.

Förster, A., Kreuz P, (2010) Nur Tote bleiben liegen. campus.

Förster, A., Kreuz P, (2010) Nur Tote bleiben liegen. campus.

Es kam dazu, da Anja Förster und Peter Kreuz nach Bloggern suchten, die ihr neuestes Buch in ihrem Blog besprechen möchten. Natürlich mache ich das gerne. 🙂

Das Buch „Nur Tote bleiben liegen“ von Anja Förster & Peter Kreuz, erschienen im campus-Verlag, hat mich zuerst durch den doch recht krassen Titel auf sich aufmerksam gemacht. Normalerweise wäre mir das zu reißerisch gewesen, da ich jedoch das Buch „Alles, außer gewöhnlich“ der beiden Autoren kenne und es mir sehr gut gefallen hat, wollte ich „Nur Tote bleiben liegen“ auf alle Fälle auch lesen.

Wer nun ein Lehrbuch mit strukturierten Handlungsanweisungen erwartet, der wird enttäuscht werden. Wer allerdings Lust und Laune bekommen möchte, sich den Veränderungen – oder auch angenommenden Veränderungen – unseres Wirtschaftens und damit unseres Lebens, vertraut zu machen, der wird seine Freude haben.

Das Buch beschäftigt sich aus unterschiedlichen Perspektiven bzw. mit den unterschiedlichen Folgen der Haltungen und Herangehensweisen die wir uns durch das Internet aneignen, auf das Wirtschaften. Eine beispielhafte Kernaussage ist, dass hierarchische Strukturen aufgrund von bloßer Stellung mittel- und langfristig nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Hierarchien und Bindungen enstehen heute dagegen aufgrund von Qualität und inhaltlichem Vorsprung. Dazu muss noch das Interesse von anderen kommen, sonst steht man mit seiner Qualität und seinem Vorsprung alleine da. Dementsprechend prallen in Unternehmen heute völlig unterschiedliche Weltsichten und dadurch entstehende Ansprüche, aufeinander.

Die Zukunft liegt laut Anja Förster und Peter Kreuz in Unternehmen die aus einem Nukleus bestehen und vielen externen Experten und Spezialisten die diesen Unternehmen ihr Knowhow zur Verfügung stellen.

Ganz ihrer Art entsprechend betonen die Autoren die Vorteile dieser neuen Unternehmensform. Da ich selbst in der Rolle war, ein Unternehmen gehabt zu haben, welches externe Spezialisten beschäftigte, teile ich diese positive Grundstimmung der Autoren. Es geht darum nicht Spielball dieser Entwicklungen zu sein, sondern sie aktiv zu gestalten. Das schließt ein sich engstirnig gegen die Realität stemmendes Verhalten natürlich aus.

Wer eine kurzweilige Zusammenfassung dieses speziellen Aspektes der Veränderung lesen möchte, dem kann man das Buch wärmstens empfehlen. Wer eine philosophische Auseinandersetzung oder gar eine „Abrechnung“ mit den Veränderungen lesen möchte, der sollte lieber nach einem anderen Buch greifen. Oder vielleicht gerade dazu um einmal eine andere, positivere Sicht der Dinge zu erleben.

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§ 2 Antworten auf Rezension: “Nur Tote bleiben liegen” von Anja Förster & Peter Kreuz

  • Hallo und Danke für diesen Bericht.
    Das macht schon Lust auf mehr von diesem Buch.

    Bestimmte dieser Aspekte (z.B. Abkehr von Hierarchien, Führung durch Themen, Netzwerkorganisation etc) nicht mehr ganz neu sind. Schon Ende der 1990er haben sich Autoren, welche sich mit Wissensmanagement und lernender Organisation beschäftigt haben solche Prognosen angestellt (z.B. Gilbert Probst).
    Da sehen wir mal wieder: Manche Entwicklungen brauchen eben entsprechend lange. Ich meine, dass Nachdenken darüber ist in jedem Fall hilfreich…

    • Hallo Herr Athanas,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Was mich so begeistert, ist das wir nun „am eigenen Leib“ erfahren, wie diese Aspekte sich auswirken.

      Sie haben sicherlich in der Presse von dem hochumstrittenen Projekt Stuttgart 21 gelesen. Da ich aus Stuttgart komme, erlebe ich die Diskussion natürlich schon etwas länger – und übrigens auch bedeutend sachlicher als dies zurzeit in den Medien geschieht.

      Für mich ist dieser Fall einer an welchem die Auswirkungen der von Förster & Kreuz beschriebenen Veränderungen sichtbar werden. Geplant wurde dieses große Infrastrukturprojekt zu einer Zeit, in der die bekannten Herangehensweisen einer repräsentativen Demokratie üblich und nahezu unhinterfragt waren.

      Die Umsetzung erfolgt jedoch heute, in einer Zeit, in solche Herangehensweisen einfach nicht mehr passen, in der sie fast zwangsläufig zu Widerständen führen. Meiner Ansicht nach machen sich diese Widerstände gar nicht an einem Für und Wider zu Stuttgart 21 fest. Dort werden sie nur ausgetragen. Vielmehr ist es ein aufbegehren der „neuen“ Sichtweise und Annahmen wie solche Projekte kommuniziert und umgesetzt werden, gegen die „alte“ Herangehensweise.

      Das Unverständnis mit welchem das Establishment (ohje, was für ein 68er Begriff :)) damit um geht gipfelt in totaler Hilflosigkeit. Immer wieder Hinweise darauf zu geben, dass doch bei der Planung und den Genehmigungsverfahren alles den Regeln entsprechend richtig abgelaufen ist, hilft überhaupt nicht.

      Nur der Hinweis: ich schreibe dies, obwohl ich ein Beführworter von Stuttgart 21 bin – und gerade deshalb die Diskussionsebene auf der momentan die Auseinandersetzung läuft für nicht fruchtbar erachte. Solange nicht erkannt und adressiert wird, was wirklich die Auslöser für die Erschütterungen sind, wird sich dies nur einer weiteren Entfremdung der Bürger von ihrem Staat führen. Dann gäbe es einen schicken Bahnhof – zu einem unglaublich unangemessenen Preis (und damit meine ich jetzt nicht das Geld.)

      An diesem Beispiel erleben wir also hautnah, was die Konsequenzen von dem Geschriebenen sind.

      Mit besten Grüßen

      Steffen Henkel

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