Interview: War Ihre interkulturelle Auslandsvorbereitung erfolgreich?

27. Februar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wieder einmal hatte ich die Gelegenheit, mit einer Entsandten zu sprechen: Ines Beisenwenger lebt gemeinsam mit Ihrer Familie in Shanghai. Sie kommt selbst aus dem Personalbereich und erhielt vor Ihrer Entsendung ein interkulturelles Training. Sie hat daher auf das Thema und die Wirksamkeit interkultureller Seminare eine besondere, professionelle Sicht.

Gebrauchsanweisung: Das Gespräch ist als podcast angelegt. Sie können es durch einen Rechtsklick mit Ihrer Maus auf Ihren Computer herunterladen und so bequem auf einem mp3-Player oder iPod anhören. Durch einen Klick mit der linken Maustaste, können Sie den Podcast natürlich auch direkt anhören.

Interview_Beisenwenger_Henkel_change.project [Dauer: 45:16 Minuten]

Hier eine Zusammenfassung der Fragen und der Antworten von Ines Beisenwenger:

1.) Bitte beschreiben Sie kurz Ihren Hintergrund und wo Sie zurzeit wohnen.

Frau Beisenwenger erzählt, dass sie bereits seit zwei Jahren in Shanghai lebt und noch etwa eineinhalb Jahre dort geplant sind. Ihr Mann ist von seinem Unternehmen entsandt worden, sie und ihre Kinder begleiten ihn.

Sie hat selbst länger im Bereich Personalwesen, Personalentwicklung und Training gearbeitet. Später war sie freiberuflich tätig als Trainerin für Themen Teamentwicklung, Personalmanagement und weitere Themen.

Frau Beisenwenger erzählt noch weiter, welche Pläne Sie für die nächsten Jahre in China hat.

2.) Wie sind Sie auf Ihren Aufenthalt in China vorbereitet worden?

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie ein 3-tätiges Vorbereitungsseminar besucht, welches vom Arbeitgeber ihres Mannes organisiert worden war. Als Novum fand erst vor kurzem (November 2010) ein organisiertes Treffen für die Expatriates vor Ort statt.

Das Vorbereitungsseminar war in den ersten beiden Tagen eher allgemeiner Natur. Erst am dritten Tag war eine Referentin von SinaLingua anwesend, die länderspezifisch auf China vorbereitete. Der Schwerpunkt der Inhalte lag deutlich auf den Themen des Berufslebens.

3.) War es ein Problem, dass es inhaltlich eher um berufliche Themen ging?

Frau Beisenwenger empfand dies nicht als Problem. Interessant waren die beruflichen Beispiele auch für sie. Sie stellt allerdings die Frage, ob es dann so sinnvoll ist, das Seminar in dieser Form durchzuführen, bzw. ob sie dabei sein musste.

Nun kommt eine Idee von Frau Beisenwenger, in der ich einen entscheidenen Gedanken für die zukünftige Entwicklung der interkulturellen Personalentwicklungsmaßnahmen sehe: Sie ist der Ansicht, dass folgendes Vorgehen für eine Personalentwicklungsmaßnahme sinnvoller ist.

Sie schlägt vor, dass die Vorbereitung kürzer ist, dafür für einige Zeit der Entsendung eine intensivere Begleitung statt findet. Es ergibt sich so die Möglichkeit, dass man Themen die sich aktuell ergeben, besprochen werden. Tatsächliche Schwierigkeiten lassen sich dann direkt bearbeiten.

„Mit konkreten Erfahrungen“ ist es sinnvoller als sich auf etwas noch völlig Unbekanntes vorzubereiten.

Natürlich finde ich diese Aussage höchst interessant. Sie ist sozusagen die praktische Aussage zu den Überlegungen einiger vorhergehender Artikel, beispielsweise diesen hier: „Sinnlose Belehrungen – Veränderung geschieht!“

Anhand einiger Beispiele führt Ines Beisenwenger diesen Gedanken weiter aus.

4.) Warum werden diese Lösungen von den Personalabteilungen nicht angenommen? Haben Sie dazu Ideen?

Frau Beisenwenger meint, dies könnte daran liegen, dass man das Thema auch als Personaler möglichst zügig vom Tisch haben möchte. Man hat ein fertiges Seminar, dort gehen alle rein und man hat als Unternehmen seine Schuldigkeit getan. Es ist vielleicht auch zu schwer, den anderen Vorschlag zu organisieren.

Einmal hat man ja nicht immer genügend Expats vor Ort um extra eine Veranstaltung zu organisieren. Zum Zweiten sind diese Expats dann in unterschiedlichen Phasen ihrer Entsendung und brauchen dann etwas anderes. Sich dieser Aufgabe zu stellen ist bislang noch nicht geschehen.

5.) Haben Sie einen Unterschied erlebt zwischen Menschen die durch ein Training vorbereitet und Menschen die nicht vorbereitet wurden?

Schwer zu sagen. Es ist jedoch auf alle Fälle so, dass viele, die keine Vorbereitung erhalten haben, sagen, dass sie so etwas gut hätten gebrauchen können.

6.) Empfinden Sie Ihre Auslandsvorbereitung als hilfreich?

Schon allein der Austausch mit anderen beim Seminar war interessant und hilfreich. Es hätte aber auch kürzer gereicht. Sie kommt noch einmal auf ihre vorherige Idee zurück. Grundsätzlich ist sie froh, dass das Unternehmen überhaupt eine Unterstützung anbietet.

7.) Welche Themen im Training waren am hilfreichsten?

Der Teil bei dem sie mit den anderen mitausreisenden Partnerinnen und Partnern zusammen gewesen ist. Ebenso war länderspezifisch-berufliche Teil sehr interessant.

8.) Welche Informationen hätten Sie sich noch gewünscht?

Hier kommt Frau Beisenwenger wieder auf ihre Idee zurück. Schon weil man – gerade als begleitende Partnerin – die ersten Monate sehr alleine ist, wäre eine nachfolgende Betreuung hilfreich.

Wir unterhalten uns anschließend noch ein wenig über die Veranstaltung die der Arbeitgeber Ihres Mannes angeboten hat.

9.) Was halten Sie davon, die Begleitung mit virtuellen Medien durchzuführen?

Das kann sie sich gut vorstellen, in Form einer Plattform oder auch als Coaching über Skype.

Zuletzt erkunde ich mich noch über das Mentorensystem das der Arbeitgeber ihres Mannes anbietet.

Was sind Ihre Gedanken zu dem Interview? Ich bin gespannt auf Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Henkel

PS: Bitte beteiligen Sie sich an unserer Umfrage für Trainerinnen und Trainer über den Einsatz webbasierter Lerntools.

[Für Interessierte: Das Interview ist aufgenommen mit Pamela, einem AddIn für Skype. Die gute Qualität hat mich erstaunt. Trotzdem ist bei meinen Fragen etwas schief gegangen, es kommt ab und an zu eigenartigen Dopplungen, die jedoch das Hörvergnügen kaum schmälern dürften.]

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Die optimale interkulturelle Entsendungsvorbereitung

21. November 2010 § 11 Kommentare

Inzwischen dürften meine Zweifel an der zielgerichteten Wirksamkeit von ein- oder zweitägigen Trainings im Sinne der

Synapse

Synapsen

Erwartungshaltung der Auftraggeber, deutlich bekannt sein. Jetzt veranlasste mich ein Kommentar dazu, auszuformulieren wie eine ideale Entsendungsunterstützung aussieht.

Tatsächlich denke ich, dass ein begleitendes Coaching viel mehr dazu in der Lage ist, dem Expat und der begleitenden Familie den Einstieg in einem fremden Land zu erleichtern und dadurch effektiver die an sie bzw. ihn gestellten Aufgaben zu lösen.

In einer Verbindung aus Vorbereitung und Begleitung möchte ich folgendes Vorgehen vorschlagen:

1) Vor der Entsendung ein kurzes „Seminar“ in welchem folgende Ziele  erreicht werden:

a) Klärung brennender Fragen der Expats. Diese sind erfahrungsgemäß weniger „interkultureller“ Natur, als vielmehr „Relocationfragen“.

b) Umgang mit Sorgen und Ängsten der Entsandten. Die dadurch entstehende Entlastung ist meiner Ansicht nach der Grund, warum so viele Expats nach einem Training nicht die Notwenigkeit verspüren sich weiter mit dem Thema bewusst auseinander zu setzen.

c) Die positiven Aspekte einer Entsendung deutlich machen, gerade auch für die persönliche Entwicklung, „Lust machen“ auf die Entsendung, positiv besetzte Neugier erzeugen.

d) Den Expats deutlich machen, dass sich sein Arbeitgeber um sie kümmert.

2. Nach dem Ausreisedaten finden regelmäßig ca. einstündige Coachings statt um aktuelle Themen zu besprechen und Problemsituationen aufzulösen. Damit werden die Ziele erreicht, die man bislang den Trainings zugeschrieben hat:

a) Reduzierung der Auswirkungen des Kulturschocks

b) Auflösung von persönlichen Problemen mit bestimmten Aspekten der Entsendung

c) Lösungsfindung für aktuelle, für die Entsandten relevante Probleme durch Reaktivierung der eigenen Kompetenzen. Durch die Anwendung derselben entsteht tatsächliche Kompetenzerweiterung auf der Handlungsebene.

Durch den Einsatz von geeigneten Medien ist es möglich, die Kosten für dieses Vorgehen so gering zu halten, dass keine höheren Investitionen durch das Unternehmen zu erwarten sind als bei den herkömmlichen Trainings.

Es ist möglich, ein stundenweises Vorgehen zu vereinbaren. Bei 18 Stunden (vergleichbar mit einem 2-Tagestraining) entspricht so erstmals die Methode der Entwicklungsbegleitung dem tatsächlichen Prozess. Die Kosten bleiben in etwa die gleichen. Der Aufwand für die Personalabteilung bleibt ebenfalls gleich. Gleichzeitig wird dem Expat und seiner Familie ganz konkret geholfen. Wir haben Workplace Learning, wie es immer wieder gefordert, selten jedoch umgesetzt wird.

Was halten Sie von diesem Vorgehen?

Ich freue mich auf Ihre Ideen und verbleibe

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Erfahrungen mit interkulturellem Training II/II – Interview

5. November 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Im zweiten Teil des Interviews mit Danièle Grassi schildet sie die Auslandsvorbereitung näher, erzählt, wann der Auslandsaufenthalt besonders schwierig war und hat Empfehlungen für andere Expats.

1. Wie genau sah Ihre Auslandsvorbereitung aus?

Besonders hilfreich war die Vorbereitung des Landessprachinstituts Nordrhein-Westfalen. Hier konnte man tiefer in die andere Kultur eintauchen. Sehr interessant finde ich, dass Frau Grassi betont, für wie wichtig sie das Wissen um geschichtliche Hintergründe Chinas einschätzt. Eigenständiges Entschlüsseln der Kultur wird dadurch erst möglich.

Interessant finde ich diesen Hinweis deshalb, weil viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Wissen als überflüssig erachten. Zumindest möchten sie dem in einem Seminar selten Zeit einräumen.

Dies ist bedauerlich. Meiner Ansicht nach ist es dieses Hintergrundwissen, welches das Bett darstellt in welchem konkrete Verhaltensweisen, Sitten, Bräuche und Umgangsformen enthalten sind. Does & Donts erhalten dadurch Sinnhaftigkeit auch für Außenstehende.

2. Gab es für Sie eine Phase in der es besonders schwer in China für Sie war?

Danièle Grassi beschreibt, dass es für sie vor allen Dingen am Ende der Entsendung schwierig wurde.

3. Haben Sie mit Ihrem Mann über die Erlebnisse in China reflektiert?

Danièle Grassi beschreibt, wie stark sich ihr Mann auf die chinesischen Kollegen eingestellt hat und vergleicht mit anderen Expatriates. Sie gibt Beispiele und beschreibt einen „klassischen“ Fall: Verhalten im Meeting.

Zuletzt beschreibt sie den Wandel der mit einem deutschen Kollegen ihres Mannes vorgegangen ist – nachdem er wieder in Deutschland zurück war.

4. Was würden Sie anderen Entsandten empfehlen?

„Sich Einlassen“ ist die Antwort von Frau Grassi. Dabei ist sie der Ansicht, dass die Anerkenntnis, dass andere Menschen eine andere Sicht auf die Welt haben, entscheidend ist. Diese Haltung ist allerdings nicht in einem Seminar zu erlernen, sondern gehört zu einem Charakter.

Daher sollten Unternehmen bei der Auswahl von Personen die entsandt werden auch auf diese Charaktereigenschaften achten. Allerdings lässt sich genau diese Eigenschaft auch in einer Entsendung lernen bzw. vertiefen.

Sie geht noch kurz darauf ein, dass gerade die Ehe bzw. eine Partnerschaft durch eine Entsendung besonders strapaziert wird. Die Entsendung kann dann zu einem Bruch führen – oder die Partnerschaft richtig wachsen lassen.

Im ersten Teil dieses Interviews geht es um die Vorbereitung die Danièle Grassi vor der Entsendung erhalten hat, wie hilfreich diese Vorbereitung war und was sich an der Vorbereitung verbessern ließe.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit einer Entsendung oder auch mit einer Entsendungsvorbereitung?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und verbleibe

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Erfahrungen mit interkulturellem Training I/II – Interview

31. Oktober 2010 § 8 Kommentare

Dieses Mal hatte ich Gelegenheit mit Danièle Grassi über ihre Erfahrung mit ihrer interkulturellen Vorbereitung zu sprechen.

Danièle Grassi war gemeinsam mit ihrem Mann für einige Jahre in China und wurde auf unterschiedliche Weisen auf diese Entsendung vorbereitet. Sie ist schon durch ihre Biographie interkulturell geprägt: sie stammt aus einer binationalen Ehe und ist in Frankreich aufgewachsen. Seit vielen Jahre lebt sie nun in Deutschland. So ist das Leben in zwei Kulturen nichts Neues für sie. Natürlich stellte China noch einmal eine ganz besondere Herausforderung dar.

1. Wie sind Sie auf Ihren Aufenthalt in China vorbereitet worden?

Daniéle Grassi beschreibt welche Vorbereitungen sie erhalten hat. Besonders hilfreich hatte sie – auch aus interkultureller Sicht – die Sprachvorbereitung des Landesspracheninstituts in Bochum empfunden.

2. War die interkulturelle Vorbereitung für Sie hilfreich?

Die Antwort fällt eindeutig aus: die Vorbereitung war sehr hilfreich für sie. Erstens konnte sie damit Fettnäpfchen vermeiden und zweitens zeigte es, dass sie sich für das Land und seine Leute interessiert – was sehr gut ankommt. Auch für das eigene Wohlbefinden war es wichtig: sie hatte dadurch das Gefühl, sich nicht ganz fremd zu fühlen und schon etwas über China zu wissen.

Sehr interessant war ihr Vorschlag einer noch tiefergehenden Betreuung. Sie beschreibt – ohne das Wort zu verwenden – ein begleitendes Coaching. Damit ist persönlichen Schwierigkeiten die man bei der Entsendung eventuell erfahren kann, besser zu begegnen.

3. Wie könnte man die Betreuung bzw. Vorbereitung verbessern?

Danièle Grassi schlägt Einzelcoaching vor. Dieses könnte sogar dabei helfen, zu entscheiden, ob jemand tatsächlich für eine Entsendung geeignet ist. In etwas abgeschwächter Form könnte es zu einer Art „Potentialanalyse“ verwendet werden, ganz konkrete Hilfrestellungen, auf welche Dinge besonders zu achten ist. Ein 2-tägiges Seminar hilft dabei, den groben Überblick zu gewinnen.

Besonders wertvoll empfindet sie es, Chinesen mit einzubeziehen. Wir erwähnen im Gespräch das ifim, welches immer binationale Trainerteams einsetzt.

Im nächsten Artikel beschreibt Frau Grassi ihre Vorbereitung etwas näher, erzählt, wann der Auslandsaufenthalt besonders schwierig war und hat Empfehlungen für andere Expats.

Trainings zur Auslandsvorbereitung entsprechen nicht den Erwartungen

20. Oktober 2010 § 10 Kommentare

Erfüllung von ErwartungenDie im vorherigen Blogartikel gemachten Aussagen möchte ich nun für den Bereich der interkulturellen Weiterbildung präzisieren.

Die dort aufgestellte These widerspricht fundamental der heutigen Herangehensweise in der interkulturellen Weiterbildung. Ich gehe davon aus, dass es bei anderen Weiterbildungsthemen ähnlich aussieht.

Inwiefern? Ein Beispiel:

Eine Mitarbeiterin eines Unternehmens soll gemeinsam mit Ihrer Familie für einige Jahre in eine Niederlassung im Ausland entsandt werden. Eine ganze Reihe von Dingen müssen vor der Entsendung erledigt werden: Arbeitsgenehmigung und Aufenthaltserlaubnis müssen eingeholt, der Umzug muss organisiert und ein entsprechender Vertrag muss mit der Entsandten ausgearbeitet und unterschrieben werden – um nur einige Beispiele zu nennen.

Um der unterschiedlichen Kultur und den sich daraus ergebenden Problemen Rechnung zu tragen, bekommt die Mitarbeiterin und ihre Familie eine eintägige interkulturelle Auslandsvorbereitung.

Dieses Training findet ca. drei Wochen vor Entsendebeginn statt. Weitere durch das Unternehmen beauftragte Begleitung was dieses Thema angeht, findet nicht statt.

Soweit die in den letzten Jahren von mir beobachtete Realität.

Welche Annahmen liegen dieser Herangehensweise zugrunde? Zumindest wurde erkannt, dass die Interkulturalität der neuen Arbeitssituation zu Schwierigkeiten führen kann. Um diesen zu begegnen, wird eine Maßnahme durchgeführt. Diese Maßnahme soll dabei helfen, beispielsweise besser mit dem Menschen am Zielort zu kommunizieren oder Projekte pünktlich und im Rahmen des Budgets durchzuführen.

Es soll außerdem vor Frusterlebnissen bewahren und den Kulturschock minimalisieren, so dass die Entsandte und ihre Familie sich wohlfühlen und nicht vorzeitig den Auslandsaufenthalt abbricht. [Dies sind die Inhalte von Zielformulierungen bei interkultureller Trainingsangeboten.]

Es besteht offensichtlich die Annahme, dass mit einem Training diesen und anderen Herausforderungen begegnet werden kann. Darauf baut der Dienstleistungssektor um das Thema Weiterbildung auf.

Die im vorherigen Artikel gemachte Aussage lautet nun, dass alle diese Trainings nicht sinnvoll sind. Trainings sind kein Mittel um die Bewältigung der oben genannten Herausforderungen zu erleichtern. Trainings schaffen es nicht, bei Menschen soweit Veränderung zu initiieren, dass sie sich bei ihrer Arbeit und ihrem Leben im Ausland leichter tun.

Die Veränderung passiert erst durch die Entsendung an sich. Die vorherige „Belehrung“ durch das Training hat keinen Einfluss darauf, inwieweit ein Entsandter den Herausforderungen besser oder schlechter gewachsen ist.

Daraus folgt für mich, dass interkulturelle Trainings so wie sie üblicherweise gesehen werden, nicht sinnvoll sind. Sinnvoll sind vorbereitenden Informationsveranstaltungen, damit grundlegendes Wissen über das Leben im neuen Land den Entsandten bekannt wird. Sinnvoll sind auch Maßnahmen, die dabei helfen, den augenblicklichen Stress den man mit der Entsendungsvorbereitung hat, zu erleichtern bzw. damit besser umzugehen. Nicht sinnvoll sind hingegen Inhalte die darauf abzielen, die Veränderungen „vorwegzunehmen“.

Wir wissen, dass die Veränderung durch den Auslandsaufenthalt geschieht und anstrengend oder sogar schmerzhaft sein kann. Diese Veränderung besser durchzustehen oder schneller zu bewältigen, kann durch geeignete Maßnahmen unterstützt werden.

Nun kann man sagen: „Wussten wir ja bereits. Ist nichts Neues.“ Das glaube ich gerne. Dann frage ich mich, warum aber auf diese bereits bekannten Tatsachen nicht reagiert wird? Warum kaufen Personalabteilungen immer noch Vorbereitungstrainings ein und betrachten diese als ultima ratio zur interkulturellen Unterstützung ihrer Kolleginnen und Kollegen? Warum gibt es so viele Trainerinnen und Trainer, die mit der Durchführung von Trainings zufrieden sind?

Es besteht hier ein ganzer Dienstleistungssektor, der nicht das tut, was von ihm erwartet wird.

Bitte nicht falsch verstehen: Trainings tun etwas. Aber sie tun nicht das was die Auftraggeber denken, dass sie tun.

Ich sehe zwei Möglichkeiten: Die Weiterbildungsanbieter kommen mit etwas Neuem, dass dem Bedarf der Personaler wirklich entspricht – und zwar sowohl was den Inhalt als auch die Form (es muss „kaufbar“ sein) angeht. Oder wir schenken den Personalern reinen Wein ein und formulieren als Ziele eines Trainings nur noch das was es wirklich zu leisten vermag. Wenn uns dies gelingt, ist der Wunsch nach etwas Neuem (siehe Möglichkeit eins) wahrscheinlich die sich daraus ergebene Folge.

Haben Sie Gedanken dazu? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Ist ein interkulturelles Training sinnvoll? Interview mit einem Expat II/II

13. Oktober 2010 § 7 Kommentare

Wie angekündigt der zweite Teil des Interviews mit einem Expat über seine Erfahrungen mit interkulturellen Trainings und seiner Einschätzung über ihren konkreten Wert für seine Arbeit.

4. Nun stelle ich eine meiner Ansicht nach ganz entscheidende Frage: Hat das Training dabei geholfen, die Ziele die für die Arbeit in den Entsendungsländern aufgestellt waren, besser zu erreichen? Wie nachlesbar halte ich dieses Kriterium für das ausschlaggebende bei der Betrachtung bzw. Durchführung von interkulturellen Trainings.

Zusammenfassung: Mein Gesprächspartner bejaht dies deutlich. Dabei argumentiert er, dass durch das Training und die Teilnahme daran, die Menschen im Zielland erkennen, dass man sich versucht anzupassen, langfristig engagiert ist und dem Zielland Respekt entgegen bringt. Die zu vermitteln erleichtert die Zusammenarbeit – und damit die Zielerreichung – offenbar sehr.

5. Was hätte das Training noch besser gemacht? Welche Informationen haben noch gefehlt?

Zusammenfassung: Wiederum eine sehr interessante Antwort: Hilfreich wäre es gewesen, auch Hinweise über das eigene Verhalten bei der Rückkehr zu erhalten. Am besten ist es vor der Rückkehr noch einmal eine Seminareinheit dazu zu erhalten. Martin Knoss gibt ein interessantes Beispiel: direkte bzw. indirekte Kommunikation.

6. Ist das Format „Training“ für den Zweck den es erreichen soll angemessen – oder hätte sich mein Gesprächpartner eher ein anderes Vorgehen gewünscht?

Zusammenfassung: Grundsätzlich war das Format in Ordnung. Darüber hinaus bestand beim ersten Training die Möglichkeit, nach einiger Zeit einige Gespräche mit dem Trainer/ der Trainerin vor Ort zu führen. Martin Knoss betont, dass dies sehr wertvoll gewesen ist. Dabei ist der persönliche Kontakt mit den Trainern wichtig, beziehungsweise schafft dieser höhere Verbindlichkeit. Virtuelle Kommunikationsformen hätte er wahrscheinlich nicht so gerne angenommen. In diesen Gesprächen findet ein „Theorie-Praxis-Abgleich“ statt, der als sehr hilfreich empfunden wurde.

Fazit: Mein Gesprächpartner hat seine Trainings grundsätzlich als sehr hilfreich wahrgenommen. Auch eher umstrittene Methoden, wie beispielsweise Does & Donts waren für ihn wertvoll – allerdings nicht unbedingt nur wegen der darin enthaltenen „Handlungsanweisungen“ als vielmehr durch die Botschaft die man durch deren Kenntnis bzw. dem Versuch der Umsetzung den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, sendet.

Vorschläge für eine bessere Vorbereitung sind (a) auch vor Ort Ansprechpartner für Gespräche über dieses Thema zu haben, am besten die Leute die das Training durchgeführt haben. Es sollte (b) auch zur Rückkehr noch eine Seminareinheit geben, die auf einige der Schwierigkeiten vorbereitetn, die man zu erwarten hat.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Fragen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und verbleibe

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Ist ein interkulturelles Training sinnvoll? Interview mit einem Expat I/II

11. Oktober 2010 § 7 Kommentare

Besonders wertvoll für die Einschätzung inwieweit interkulturelle Trainings sinnvoll sind, ist es eine gute Idee die Zielgruppe dieser Trainings zu befragen. Wie empfinden diese das Training im Rückblick, nach ihrer Entsendung? War es hilfreich oder hätte man sich die Teilnahme auch sparen können?

Ich hatte die Gelegenheit mit einem äußerst erfahrenen Expatriate zu sprechen. Martin Knoss war von seinem Arbeitgeber 5 Jahre nach Südkorea und 4 Jahre nach China entsandt worden. Er ist seit einigen Monaten zurück in Deutschland. Als Vertriebler stand Martin Knoss in regem Kundenkontakt mit Koreanern bzw. Chinesen. Ebenso hatte er Personalverantwortung für Mitarbeiter aus beiden Ländern. Vor jeder Entsendung besuchte er mit seiner Frau ein interkulturelles, länderspezifisches Training.

1. Zuerst beantwortete er mir die Frage ob die interkulturellen Trainings generell hilfreich für den Auslandsaufenthalt waren.

Zusammenfassung: Obwohl beide Trainings vom gleichen Anbieter durchgeführt wurden, fällt die Bewertung hier recht unterschiedlich aus. Das erste Training war sehr, das zweite Training weniger hilfreich.

2. Interessant ist auch die Frage, welche Teile bzw. Inhalte der Trainings als besonders wertvoll empfunden wurden.

Zusammenfassung: Im ersten Schritt sind es die ganz handfesten Informationen die geholfen haben: die Does and Donts. Darüber hinaus sind es Landes- und Hintergrundinformationen die das Andere besser verstehen lassen, die Martin Knoss besonders am Training geschätzt hat.

3. Ich frage genauer nach, wie mit den Unwägbarkeiten von Does and Donts umzugehen ist.

Zusammenfassung: Es ist interessant, dass hier die Einschätzung so anders ist als von Experten für das Thema. Es ist eine Art Konsens unter den Trainingsanbietern, dass Does and Donts nicht sonderlich hilfreich, ja sogar gefährlich weil Vorurteile verhärtend, sind.

Allerdings schätzt mein Interviewpartner Does and Donts nicht nur deshalb als hilfreich ein, weil sie so praktisch sind. Sondern weil man mit ihnen das Interesse an den Kolleginnen und Kollegen zeigen kann. Dies ist für eine erfolgreiche Auslandstätigkeit elementar.

Vielleicht trauen wir als Trainer unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu wenig zu. Den meisten ist wohl sehr klar, dass diese Etikettefragen nicht dogmatisch zu sehen sind, sondern eben als Umgangsformen, die im Zweifel genauso weich, locker und subkulturspezifisch zu handhaben sind, wie bei in der Heimatkultur/ den Heimatkulturen auch.

Im zweiten Teil geht es darum, ob Trainings helfen, im Entsendungsland die Ziele besser zu erreichen und inwieweit Trainings in der Lage sind, das Thema angemessen zu vermitteln und zu bearbeiten.

Waren diese Hinweise von einem Expat für Sie hilfreich?

Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Henkel

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