Interview: War Ihre interkulturelle Auslandsvorbereitung erfolgreich?

27. Februar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wieder einmal hatte ich die Gelegenheit, mit einer Entsandten zu sprechen: Ines Beisenwenger lebt gemeinsam mit Ihrer Familie in Shanghai. Sie kommt selbst aus dem Personalbereich und erhielt vor Ihrer Entsendung ein interkulturelles Training. Sie hat daher auf das Thema und die Wirksamkeit interkultureller Seminare eine besondere, professionelle Sicht.

Gebrauchsanweisung: Das Gespräch ist als podcast angelegt. Sie können es durch einen Rechtsklick mit Ihrer Maus auf Ihren Computer herunterladen und so bequem auf einem mp3-Player oder iPod anhören. Durch einen Klick mit der linken Maustaste, können Sie den Podcast natürlich auch direkt anhören.

Interview_Beisenwenger_Henkel_change.project [Dauer: 45:16 Minuten]

Hier eine Zusammenfassung der Fragen und der Antworten von Ines Beisenwenger:

1.) Bitte beschreiben Sie kurz Ihren Hintergrund und wo Sie zurzeit wohnen.

Frau Beisenwenger erzählt, dass sie bereits seit zwei Jahren in Shanghai lebt und noch etwa eineinhalb Jahre dort geplant sind. Ihr Mann ist von seinem Unternehmen entsandt worden, sie und ihre Kinder begleiten ihn.

Sie hat selbst länger im Bereich Personalwesen, Personalentwicklung und Training gearbeitet. Später war sie freiberuflich tätig als Trainerin für Themen Teamentwicklung, Personalmanagement und weitere Themen.

Frau Beisenwenger erzählt noch weiter, welche Pläne Sie für die nächsten Jahre in China hat.

2.) Wie sind Sie auf Ihren Aufenthalt in China vorbereitet worden?

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie ein 3-tätiges Vorbereitungsseminar besucht, welches vom Arbeitgeber ihres Mannes organisiert worden war. Als Novum fand erst vor kurzem (November 2010) ein organisiertes Treffen für die Expatriates vor Ort statt.

Das Vorbereitungsseminar war in den ersten beiden Tagen eher allgemeiner Natur. Erst am dritten Tag war eine Referentin von SinaLingua anwesend, die länderspezifisch auf China vorbereitete. Der Schwerpunkt der Inhalte lag deutlich auf den Themen des Berufslebens.

3.) War es ein Problem, dass es inhaltlich eher um berufliche Themen ging?

Frau Beisenwenger empfand dies nicht als Problem. Interessant waren die beruflichen Beispiele auch für sie. Sie stellt allerdings die Frage, ob es dann so sinnvoll ist, das Seminar in dieser Form durchzuführen, bzw. ob sie dabei sein musste.

Nun kommt eine Idee von Frau Beisenwenger, in der ich einen entscheidenen Gedanken für die zukünftige Entwicklung der interkulturellen Personalentwicklungsmaßnahmen sehe: Sie ist der Ansicht, dass folgendes Vorgehen für eine Personalentwicklungsmaßnahme sinnvoller ist.

Sie schlägt vor, dass die Vorbereitung kürzer ist, dafür für einige Zeit der Entsendung eine intensivere Begleitung statt findet. Es ergibt sich so die Möglichkeit, dass man Themen die sich aktuell ergeben, besprochen werden. Tatsächliche Schwierigkeiten lassen sich dann direkt bearbeiten.

„Mit konkreten Erfahrungen“ ist es sinnvoller als sich auf etwas noch völlig Unbekanntes vorzubereiten.

Natürlich finde ich diese Aussage höchst interessant. Sie ist sozusagen die praktische Aussage zu den Überlegungen einiger vorhergehender Artikel, beispielsweise diesen hier: „Sinnlose Belehrungen – Veränderung geschieht!“

Anhand einiger Beispiele führt Ines Beisenwenger diesen Gedanken weiter aus.

4.) Warum werden diese Lösungen von den Personalabteilungen nicht angenommen? Haben Sie dazu Ideen?

Frau Beisenwenger meint, dies könnte daran liegen, dass man das Thema auch als Personaler möglichst zügig vom Tisch haben möchte. Man hat ein fertiges Seminar, dort gehen alle rein und man hat als Unternehmen seine Schuldigkeit getan. Es ist vielleicht auch zu schwer, den anderen Vorschlag zu organisieren.

Einmal hat man ja nicht immer genügend Expats vor Ort um extra eine Veranstaltung zu organisieren. Zum Zweiten sind diese Expats dann in unterschiedlichen Phasen ihrer Entsendung und brauchen dann etwas anderes. Sich dieser Aufgabe zu stellen ist bislang noch nicht geschehen.

5.) Haben Sie einen Unterschied erlebt zwischen Menschen die durch ein Training vorbereitet und Menschen die nicht vorbereitet wurden?

Schwer zu sagen. Es ist jedoch auf alle Fälle so, dass viele, die keine Vorbereitung erhalten haben, sagen, dass sie so etwas gut hätten gebrauchen können.

6.) Empfinden Sie Ihre Auslandsvorbereitung als hilfreich?

Schon allein der Austausch mit anderen beim Seminar war interessant und hilfreich. Es hätte aber auch kürzer gereicht. Sie kommt noch einmal auf ihre vorherige Idee zurück. Grundsätzlich ist sie froh, dass das Unternehmen überhaupt eine Unterstützung anbietet.

7.) Welche Themen im Training waren am hilfreichsten?

Der Teil bei dem sie mit den anderen mitausreisenden Partnerinnen und Partnern zusammen gewesen ist. Ebenso war länderspezifisch-berufliche Teil sehr interessant.

8.) Welche Informationen hätten Sie sich noch gewünscht?

Hier kommt Frau Beisenwenger wieder auf ihre Idee zurück. Schon weil man – gerade als begleitende Partnerin – die ersten Monate sehr alleine ist, wäre eine nachfolgende Betreuung hilfreich.

Wir unterhalten uns anschließend noch ein wenig über die Veranstaltung die der Arbeitgeber Ihres Mannes angeboten hat.

9.) Was halten Sie davon, die Begleitung mit virtuellen Medien durchzuführen?

Das kann sie sich gut vorstellen, in Form einer Plattform oder auch als Coaching über Skype.

Zuletzt erkunde ich mich noch über das Mentorensystem das der Arbeitgeber ihres Mannes anbietet.

Was sind Ihre Gedanken zu dem Interview? Ich bin gespannt auf Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Henkel

PS: Bitte beteiligen Sie sich an unserer Umfrage für Trainerinnen und Trainer über den Einsatz webbasierter Lerntools.

[Für Interessierte: Das Interview ist aufgenommen mit Pamela, einem AddIn für Skype. Die gute Qualität hat mich erstaunt. Trotzdem ist bei meinen Fragen etwas schief gegangen, es kommt ab und an zu eigenartigen Dopplungen, die jedoch das Hörvergnügen kaum schmälern dürften.]

Veränderung und Entwicklung – Interview mit Regine Uhlmann II/II

8. Januar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Regine Uhlmann

Regine Uhlmann

Nun der zweite Teil des Interviews mit Regine Uhlmann. Der erste Teil findet sich hier.

4. Welche Wechselwirkung gibt es zwischen Bedrohung bzw. Leidensdruck und Veränderungsbereitschaft?

Frau Uhlmann beschreibt wie groß und subjektiv die Unterschiede im empfundenen Leid sind, damit die Menschen beginnen, an sich zu arbeiten.

5. In diesem Zusammenhang geht Frau Uhlmann noch einmal auf das Fallbeispiel aus Frage 3 ein und erleutert, wie es weiter ging.

6. Was sind Beispiele dafür, dass Menschen einen Veränderungsprozess beginnen?

Grund für eine angestrebte Veränderung kann aus ihrer Sicht sein, (a) dass man sich in einer Situation unwohlfühlt und man dies ablegen möchte, (b) dass ein Karrieresprung ansteht und Vorgesetzte noch Entwicklungsbedarf anmelden und (c) dass eine Beziehung auseinander geht und einem bewusst wird, dass man etwas tun muss. Es kann (d) auch darum geht, eigene Potenziale stärker leben zu können.

7. Welche Rolle hat ein Coach im Coachingprozess einzunehmen?

Frau Uhlmann meint, eine der wichtigsten Rollen ist die der Zuhörerin. Ebenso muss ein Coach empathisch heraus hören, was die Problemfelder und die Potenziale des Coachees sind. Die Methode dafür ist Fragen zu stellen und zu spiegeln. Indem man als Coach Vermutungen äußert, können neue Wege beschritten werden. Dabei ist natürlich der Wunsch zur Weiterentwicklung beim Coachee Voraussetzung.

Was denken Sie über diese Ideen und Konzepte?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und verbleibe

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Veränderung und Entwicklung – Interview mit Regine Uhlmann I/II

3. Januar 2011 § 2 Kommentare

Regine Uhlmann

Regine Uhlmann

Noch im letzten Jahr hatte ich die Möglichkeit mit einer geschätzten Kollegin über Veränderung zu sprechen. Regine Uhlmann lehrnte ich bereits vor vielen Jahren als eine der ersten Coaches kennen, die mich mit der Methode Coaching in Kontakt brachte. Ich schätze ihre ruhige, überlegte und wertschätzende Art sehr und war froh, dass auch sie sich für ein Gespräch bereit erklärte.

Regine Uhlmann arbeitet in Stuttgart als Coach und Trainerin. Genaueres über ihr Tun wird sie im ersten Beitrag berichtung und findet sich auf ihrer Webseite.

1. Bitte beschreiben Sie kurz, was Sie beruflich tun.

Regine Uhlmann bezeichnet sich als Coach und Trainerin, schwerpunktmäßig begleitet sie dabei Menschen in Umbruchsituationen, wie beispielsweise einem Burn-out. Ebenso hilft sie Teams bei der Be- und Aufarbeitung von Konflikten.

2. Regine Uhlmann beschreibt, dass manchmal aus einem Training Coachings entstehen können. Ich frage, wie dies geschehen kann.

Durch intensives Trainerfeedback und die Reaktion darauf, lässt sich recht einfach feststellen wie offen ein Mitarbeiter für ein weiteres Coaching ist. Üblicherweise geht dieser dann von selbst auf die Personalabteilung zu.

3. Ist Veränderung möglich und wie kann ein Coach dabei unterstützen?

Regine Uhlmann ist der Ansicht, das Menschen sich verändern können. Doch zieht sie das Wort „Entwicklung“ vor. Dies impliziert mehr, dass das Alte immer erhalten bleibt und erweitert wird. Sie erzählt anschließend von einem Fallbeispiel auf welches später im Interview noch eingegangen wird.

Im nächsten Beitrag beantwortet Frau Uhlmann Fragen zur Rolle von Leidensdruck, den Voraussetzungen für Veränderung, die Rolle als Coach und beschreibt wie es im Fallbeispiel der Frage 3 weiter gegangen ist.

Über Kommentare freut sich

Steffen Henkel

Erfahrungen mit interkulturellem Training II/II – Interview

5. November 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Im zweiten Teil des Interviews mit Danièle Grassi schildet sie die Auslandsvorbereitung näher, erzählt, wann der Auslandsaufenthalt besonders schwierig war und hat Empfehlungen für andere Expats.

1. Wie genau sah Ihre Auslandsvorbereitung aus?

Besonders hilfreich war die Vorbereitung des Landessprachinstituts Nordrhein-Westfalen. Hier konnte man tiefer in die andere Kultur eintauchen. Sehr interessant finde ich, dass Frau Grassi betont, für wie wichtig sie das Wissen um geschichtliche Hintergründe Chinas einschätzt. Eigenständiges Entschlüsseln der Kultur wird dadurch erst möglich.

Interessant finde ich diesen Hinweis deshalb, weil viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Wissen als überflüssig erachten. Zumindest möchten sie dem in einem Seminar selten Zeit einräumen.

Dies ist bedauerlich. Meiner Ansicht nach ist es dieses Hintergrundwissen, welches das Bett darstellt in welchem konkrete Verhaltensweisen, Sitten, Bräuche und Umgangsformen enthalten sind. Does & Donts erhalten dadurch Sinnhaftigkeit auch für Außenstehende.

2. Gab es für Sie eine Phase in der es besonders schwer in China für Sie war?

Danièle Grassi beschreibt, dass es für sie vor allen Dingen am Ende der Entsendung schwierig wurde.

3. Haben Sie mit Ihrem Mann über die Erlebnisse in China reflektiert?

Danièle Grassi beschreibt, wie stark sich ihr Mann auf die chinesischen Kollegen eingestellt hat und vergleicht mit anderen Expatriates. Sie gibt Beispiele und beschreibt einen „klassischen“ Fall: Verhalten im Meeting.

Zuletzt beschreibt sie den Wandel der mit einem deutschen Kollegen ihres Mannes vorgegangen ist – nachdem er wieder in Deutschland zurück war.

4. Was würden Sie anderen Entsandten empfehlen?

„Sich Einlassen“ ist die Antwort von Frau Grassi. Dabei ist sie der Ansicht, dass die Anerkenntnis, dass andere Menschen eine andere Sicht auf die Welt haben, entscheidend ist. Diese Haltung ist allerdings nicht in einem Seminar zu erlernen, sondern gehört zu einem Charakter.

Daher sollten Unternehmen bei der Auswahl von Personen die entsandt werden auch auf diese Charaktereigenschaften achten. Allerdings lässt sich genau diese Eigenschaft auch in einer Entsendung lernen bzw. vertiefen.

Sie geht noch kurz darauf ein, dass gerade die Ehe bzw. eine Partnerschaft durch eine Entsendung besonders strapaziert wird. Die Entsendung kann dann zu einem Bruch führen – oder die Partnerschaft richtig wachsen lassen.

Im ersten Teil dieses Interviews geht es um die Vorbereitung die Danièle Grassi vor der Entsendung erhalten hat, wie hilfreich diese Vorbereitung war und was sich an der Vorbereitung verbessern ließe.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit einer Entsendung oder auch mit einer Entsendungsvorbereitung?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und verbleibe

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Erfahrungen mit interkulturellem Training I/II – Interview

31. Oktober 2010 § 8 Kommentare

Dieses Mal hatte ich Gelegenheit mit Danièle Grassi über ihre Erfahrung mit ihrer interkulturellen Vorbereitung zu sprechen.

Danièle Grassi war gemeinsam mit ihrem Mann für einige Jahre in China und wurde auf unterschiedliche Weisen auf diese Entsendung vorbereitet. Sie ist schon durch ihre Biographie interkulturell geprägt: sie stammt aus einer binationalen Ehe und ist in Frankreich aufgewachsen. Seit vielen Jahre lebt sie nun in Deutschland. So ist das Leben in zwei Kulturen nichts Neues für sie. Natürlich stellte China noch einmal eine ganz besondere Herausforderung dar.

1. Wie sind Sie auf Ihren Aufenthalt in China vorbereitet worden?

Daniéle Grassi beschreibt welche Vorbereitungen sie erhalten hat. Besonders hilfreich hatte sie – auch aus interkultureller Sicht – die Sprachvorbereitung des Landesspracheninstituts in Bochum empfunden.

2. War die interkulturelle Vorbereitung für Sie hilfreich?

Die Antwort fällt eindeutig aus: die Vorbereitung war sehr hilfreich für sie. Erstens konnte sie damit Fettnäpfchen vermeiden und zweitens zeigte es, dass sie sich für das Land und seine Leute interessiert – was sehr gut ankommt. Auch für das eigene Wohlbefinden war es wichtig: sie hatte dadurch das Gefühl, sich nicht ganz fremd zu fühlen und schon etwas über China zu wissen.

Sehr interessant war ihr Vorschlag einer noch tiefergehenden Betreuung. Sie beschreibt – ohne das Wort zu verwenden – ein begleitendes Coaching. Damit ist persönlichen Schwierigkeiten die man bei der Entsendung eventuell erfahren kann, besser zu begegnen.

3. Wie könnte man die Betreuung bzw. Vorbereitung verbessern?

Danièle Grassi schlägt Einzelcoaching vor. Dieses könnte sogar dabei helfen, zu entscheiden, ob jemand tatsächlich für eine Entsendung geeignet ist. In etwas abgeschwächter Form könnte es zu einer Art „Potentialanalyse“ verwendet werden, ganz konkrete Hilfrestellungen, auf welche Dinge besonders zu achten ist. Ein 2-tägiges Seminar hilft dabei, den groben Überblick zu gewinnen.

Besonders wertvoll empfindet sie es, Chinesen mit einzubeziehen. Wir erwähnen im Gespräch das ifim, welches immer binationale Trainerteams einsetzt.

Im nächsten Artikel beschreibt Frau Grassi ihre Vorbereitung etwas näher, erzählt, wann der Auslandsaufenthalt besonders schwierig war und hat Empfehlungen für andere Expats.

Sinnlose Belehrung – Veränderung geschieht! Interview mit Richard Seeger

16. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Diese Woche hatte ich die Gelegenheit mit dem Strategieexperten Richard Seeger zu sprechen. Die Inhalte des Gesprächs möchte ich hier zusammengefasst darstellen. Richard Seeger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Systemwissenschaften und Kybernetik und hat unter anderem aufgrund eines Bearbeitungsrechts an der Kybernetischen Managementlehre (EKS) nach Prof. Wolfgang Mewes das Blended Learning System EKS-PC entwickelt. Er hat die Ambition Menschen zu mehr Erfolgen zu bringen.

Im Gegensatz zu den üblichen Ansätzen – ja sogar im Gegensatz zu den westlichen Vorstellungen – wie persönliche Veränderung geschieht, hat Herr Seeger einen gänzlich anderen Ansatz. Er selbst drückt ihn so aus:

ALLECTUS MUTATA RESURGO – PER OMNES GENTES

Der in einen höheren Rang Erhobene kehrt verwandelt wieder – in allen Gesellschaften dieser Welt
© Richard Seeger

Die Implikationen dieses Satzes mögen im ersten Anlauf nicht deutlich werden, sind jedoch gewaltig. Begleiten Sie mich beim Aufschnüren der Argumentationskette wie sie mir durch Richard Seeger verdeutlicht wurde.

Unsere klassisch-westliche, letztlich durch die sokratische-platonische geformte, Denktradition, geht davon aus, dass Veränderung und Lernen durch Belehrung möglich ist. Wir wissen zwar, dass Babys und Kleinkinder äußerst effektiv und effizient durch Nachahmen und Ausprobieren lernen. Unser Bildungssystem verlässt diesen Weg jedoch und versucht durch Belehrung den Menschen zu formen.

Die Gegenthese lautet: der Mensch wird zu einem erheblichen Teil durch Erziehung und Umgebung geformt. Eine geänderte Position in der soziostrukturellen Umgebung (= das Geflecht aus Abhängigkeiten und Hierarchien in welchem sich jeder Mensch befindet) bedeutet daher auch eine Veränderung des Menschen selbst.

Identitätsmodell

(c) Richard Seeger

Eine Person auf der oberen Schlaufe ist ein anderer Mensch als die gleiche Person auf einer unteren Schlaufe. Dies ist eine wertfreie Tatsache. Die Bewertung des Wechsels durch die Umgebung ist natürlich oftmals vorhanden – und fällt nicht immer positiv aus.

Was ist die Aufgabe des Coachs dabei?

Möchte man einen Menschen in Veränderung bringen, gelingt dies nur indem man die soziostrategische Struktur in welcher er sich befindet (a) durchschaut und (b) man eine Änderung der Position in dieser Struktur ermöglicht. Dabei ist davon auszugehen, dass der Begleiter bzw. Coach die soziostrategischen Strukturen besser durchschaut als der Klient. Daher kann er Anweisungen erteilen, welche Handlungen in dem Gefüge vorzunehmen sind um eine Positionsänderung zu bewirken.

Davon ausgehend, dass alle menschlichen Beziehungssysteme hierarchisch strukturiert sind, hat ein wirkungsvolleres Handeln in dem Beziehungsgeflecht eine erfolgreiche Veränderung der Position zur Folge. Es ist also die Aufgabe, sich die Fragen zu beantworten, wie man in diesem Netz aus Machtstrukturen, Abhängigkeiten und Hierarchien einen größeren Nutzen erzeugt. Ein Stellungswechsel erfolgt dann quasi von selbst.

In dieser Situation ist es natürlich die Aufgabe als ethisches Wesen durch einen möglichst großen Nutzen den man stiftet in eine bestimmte Position zu kommen – und nicht durch Rücksichtslosigkeit und Ellenbogenmentalität.

Die Kette der Geschehnisse in einem Coachingprozess ist also folgende:

(1)     Der Coach nimmt die Person und die soziohierarchische Struktur in welcher dieser sich befindet wahr.

(2)     Der Coach nimmt durch entsprechende Interventionen Einfluss auf die Person und ihre Stellung in der soziohierarchisch Struktur. Der Coach ist dazu in der Lage, da er aufgrund seiner Erfahrung und Kenntnisse die Auswirkungen von bestimmten Handlungen besser einschätzen kann als der Klient.

(3)     Die neue soziohierarchische Position des Klienten wirkt auf diesen und hat so eine Veränderung zur Folge. Die mit dieser Veränderung einhergehende Infragestellung der eigenen Identität und den daraus resultierenden Druck können durch die Begleitung des Coachs gemildert werden.

Für die Richtigkeit der dem Vorgehen zugrunde liegenden Annahmen gibt es eindrucksvolle Belege. Als Beispiel seien hier nur die teilweise erschreckende Veränderung von Menschen aufgrund zugewiesener Rollen genannt, wie dies im Stanford Prison Experiment geschehen ist. (Sie finden hier und hier einige weiterführende Informationen dazu.)

Positivbeispiele für ein solches Vorgehen bieten die oftmals unglaublich scheinenden Erfolge Milton Ericksons.

Unterstützt werden die Konsequenzen für das Lernen mittlerweile auch durch Erkenntnisse der Neurobiologie. Darauf und die daraus folgenden Konsequenzen für interkulturelle Weiterbildungsangebote werde ich in den nächsten Blogartikeln eingehen.

Ich bin gespannt auf Ihre Gedanken dazu und verbleibe für heute

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Ist ein interkulturelles Training sinnvoll? Interview mit einem Expat II/II

13. Oktober 2010 § 7 Kommentare

Wie angekündigt der zweite Teil des Interviews mit einem Expat über seine Erfahrungen mit interkulturellen Trainings und seiner Einschätzung über ihren konkreten Wert für seine Arbeit.

4. Nun stelle ich eine meiner Ansicht nach ganz entscheidende Frage: Hat das Training dabei geholfen, die Ziele die für die Arbeit in den Entsendungsländern aufgestellt waren, besser zu erreichen? Wie nachlesbar halte ich dieses Kriterium für das ausschlaggebende bei der Betrachtung bzw. Durchführung von interkulturellen Trainings.

Zusammenfassung: Mein Gesprächspartner bejaht dies deutlich. Dabei argumentiert er, dass durch das Training und die Teilnahme daran, die Menschen im Zielland erkennen, dass man sich versucht anzupassen, langfristig engagiert ist und dem Zielland Respekt entgegen bringt. Die zu vermitteln erleichtert die Zusammenarbeit – und damit die Zielerreichung – offenbar sehr.

5. Was hätte das Training noch besser gemacht? Welche Informationen haben noch gefehlt?

Zusammenfassung: Wiederum eine sehr interessante Antwort: Hilfreich wäre es gewesen, auch Hinweise über das eigene Verhalten bei der Rückkehr zu erhalten. Am besten ist es vor der Rückkehr noch einmal eine Seminareinheit dazu zu erhalten. Martin Knoss gibt ein interessantes Beispiel: direkte bzw. indirekte Kommunikation.

6. Ist das Format „Training“ für den Zweck den es erreichen soll angemessen – oder hätte sich mein Gesprächpartner eher ein anderes Vorgehen gewünscht?

Zusammenfassung: Grundsätzlich war das Format in Ordnung. Darüber hinaus bestand beim ersten Training die Möglichkeit, nach einiger Zeit einige Gespräche mit dem Trainer/ der Trainerin vor Ort zu führen. Martin Knoss betont, dass dies sehr wertvoll gewesen ist. Dabei ist der persönliche Kontakt mit den Trainern wichtig, beziehungsweise schafft dieser höhere Verbindlichkeit. Virtuelle Kommunikationsformen hätte er wahrscheinlich nicht so gerne angenommen. In diesen Gesprächen findet ein „Theorie-Praxis-Abgleich“ statt, der als sehr hilfreich empfunden wurde.

Fazit: Mein Gesprächpartner hat seine Trainings grundsätzlich als sehr hilfreich wahrgenommen. Auch eher umstrittene Methoden, wie beispielsweise Does & Donts waren für ihn wertvoll – allerdings nicht unbedingt nur wegen der darin enthaltenen „Handlungsanweisungen“ als vielmehr durch die Botschaft die man durch deren Kenntnis bzw. dem Versuch der Umsetzung den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, sendet.

Vorschläge für eine bessere Vorbereitung sind (a) auch vor Ort Ansprechpartner für Gespräche über dieses Thema zu haben, am besten die Leute die das Training durchgeführt haben. Es sollte (b) auch zur Rückkehr noch eine Seminareinheit geben, die auf einige der Schwierigkeiten vorbereitetn, die man zu erwarten hat.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Fragen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und verbleibe

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie Interview auf Wirkung in der interkulturellen Weiterbildung.

%d Bloggern gefällt das: