Zertifizierungen…

29. März 2010 § 2 Kommentare

Noch einmal möchte ich auf den Punkt der Zertifizierungen kommen. Wie bereits in einem früheren Beitrag geschrieben, spielen Zertifikate bei privatwirtschaftlichen Nachfragern keine besondere Rolle. Das heißt, PersonalentwicklerInnen bei Unternehmenskunden fragen bei Ihrer Suche nach guten TrainerInnen so gut wie nie nach einer Zertifizierung. In meiner 10jährigen Erfahrung als Weiterbildungsanbieter spielte diese Frage in der Tat nie eine Rolle.

Anders stellt sich die Situation bei Nachfragern des öffentlichen Dienstes dar. Hier sind Zertifizierungen oftmals eine Voraussetzung, dass man sich überhaupt um einen Auftrag „bewerben“ darf.

Wie kommt es zu diesen Phänomenen?

Schneller ist sicherlich die zweite Frage zu beantworten: In dem Versuch objektive Kriterien für die Trainerauswahl zu entwickeln, werden diverse Punkte aufgeführt: Ausbildung, Fortbildungen, Trainingsmethodik, etc. – und eben Zertifizierungen.

Da es oftmals andere Leute sind, die die Kriterien erarbeiten als die, die das Auswahlgespräch durchführen, ist es nicht verwunderlich, dass Kriterienkataloge erarbeitet werden, die sich nicht wirklich an dem tatsächlichen Tun der Auszuwählenden orientieren.

Dass Zertifikate kein wirklich objektives Qualitätskriterium sind, habe ich bereits an anderer Stelle dargestellt.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, warum privatwirtschaftliche Kunden im Allgemeinen nicht an Zertifikate bei der Auswahl der TrainerInnen denken. Hier sind es die gleichen Leute die die Kriterienkataloge zusammen stellen wie die, die das Bewerbungsgespräch führen. Und diesen ist bewusst, dass es letztlich keine objektiven Kriterien gibt. (Das heißt, es gibt eines: Welche Wirkung entfaltet ein/e TrainerIn? Aber an diese Frage scheint sich niemand heran zu trauen.)

Bei einer Befragung von etwa 30 PersonalerInnen nach den Kriterien zur Auswahl von TrainerInnen, offenbarte sich, dass es hauptsächlich drei Anhaltspunkte für die Qualität eines Trainers gibt: 1. Empfehlungen, 2. Bekanntheit des Trainers und 3. die Intuition. Alle sonst genannten Kriterien stecken hinter diesen drei zurück.

Daraus ergibt sich eine weitere Frage: In andere Bereichen, z. B. bei längerfristigen Projekten, sind Zertifikate doch ein wichtiges Kriterium. Wie kommt das?

Im Gegensatz zu Trainings sind bei längerfristigen Projekten die Transaktionskosten beim Wechsel des Dienstleisters deutlich höher. Bei Trainings lässt sich der Akteur einfach austauschen, ohne dass dadurch zusätzliche Kosten entstehen. Außerdem spielen beispielsweise beim Einsatz externer Projektmanager die „Werkzeuge“ die jemand zur Verfügung hat – und deren Kenntnis durch ein Zertifikat nachgewiesen werden kann – eine deutlich höhere Rolle. Dies gilt zumindest, wenn man beim Erfolg einer Maßnahme misst, was sich tatsächlich geändert hat und nicht – wie häufig bei Weiterbildungsmaßnahmen – nur ob der Trainingstag „Spaß gemacht hat“.

Ich bin gespannt auf Ihre Gedanken dazu und verbleibe für heute

mit besten Grüßen

Steffen Henkel

Zertifizierungen III/III

27. Januar 2010 § 2 Kommentare

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie angekündigt ein weiterer Artikel zum Thema Zertifizierung von Trainerinnen und Trainern bzw. von Weiterbildungsmaßnahmen. Dabei geht es dieses Mal um

III meine Sicht auf Unternehmen/ Organisationen die Zertifizierungen durchführen.

Zertifizierungen anzubieten und durchzuführen sind für die jeweiligen Herausgeberunternehmen eine gute Einnahmequelle. Nun ist dieser Anspruch natürlich legitim. Der Zweck jedes Unternehmens ist es jedoch, einen Nutzen zu stiften.

Im Falle eines Zertifizierungsunternehmens wäre der Nutzen wohl die bessere Vermarktung der zertifizierten TrainerInnen, Weiterbildungsanbieter, etc. Letzlich soll ein Zertifikat also zu einem erhöhten Auftragsvolumen führen. (Anmerkung: Natürlich geht es auch um Qualität der Leistung. Jedoch läuft niemand durch die Gegend und denkt sich: „Ach, die Qualität meines Trainings ist nicht gut, daher benötige ich ein Zertifikat.“ Vielmehr ist das brennende Problem der WeiterbildnerInnen: „Ach hätte ich doch mehr Aufträge. Vielleicht kann ich mir mit einem Zertifikat einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen.“)

Wie in einem der vorigen Artikel erwähnt, konnte ich in meiner 10jährigen Tätigkeit als Geschäftsführer eines Weiterbildungsanbieters nicht erkennen, dass eine Zertifizierung irgendeinen Vorteil gebracht hätte. Daher erfüllen Zertifikate die ihnen zugeschriebene Aufgabe nicht. Und so lange sie das nicht tun, sehe ich sie – hart ausgesprochen – als Geldmacherei an.

Und es ist auch kein Wunder, dass Sie keine auftragssteigernde Wirkung erzielen. Zertifikate bescheinigen, dass eine Trainerin/ ein Trainer gut ausgebildet ist, ordentlich dokumentierte Prozesse hat, einen guten Methodenmix anwendet und dergleichen mehr. Sie bestätigen also, dass die Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Seminar gegeben sind. Was sie jedoch nicht aussagen, ist ob es einer Trainerin/ einem Trainer gelingt Wirkung bei den TeilnehmerInnen zu erzielen. Genau darum – und eigentlich nur darum – geht es aber bei einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme.

Sollte es jedoch jemandem gelingen eine wie auch immer geartete Zertifizierung herauszubringen, die tatsächliche Transparenz über die Qualität eines Training erzeugt, dann hielte ich dies für einen echten Gewinn für TrainerInnen und KundInnen.

Welche Meinung haben Sie zu dem Thema? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Henkel

Zertifizierungen II/III

23. Januar 2010 § 4 Kommentare

Wie angekündigt ein weiterer Artikel zum Thema Zertifizierung von Trainerinnen und Trainern bzw. von Weiterbildungsmaßnahmen. Dabei geht es dieses Mal um

II die Sicht der TrainerInnen

Was ist das brennende Problem der meisten Trainerinnen und Trainer? Es ist das, Kunden bzw. Aufträge zu gewinnen. Insofern wird in Dinge investiert die versprechen, dieses brennende Problem zu lösen. Es besteht also die Frage, ob Zertifizierungen dazu in der Lage sind.

Auswählende MitarbeiterInnen in Unternehmen scheinen andere Kriterien für die Auswahl von Trainingspersonal zu haben. Und das ist kaum verwunderlich. Was ist denn das brennende Problem von PersonalentwicklerInnen wenn es um die Auswahl von TrainerInnen geht? Es geht ihnen darum, eine für die TeilnehmerInnen zufriedenstellende Weiterbildung zu organisieren. Es werden also Kriterien gesucht, die dies sicherstellen. Und das sind gänzlich andere als Zertifizierungen.

Nur bei Nachfragen aus dem öffentlichen Bereich sind mir Nachfragen nach Zertifikaten bekannt. Was ich darauf zurückführe, dass hier formale Kriterien von Menschen erstellt wurden, die a) nicht das brennende Problem haben zufriedene TeilnehmerInnen zu haben und b) vielmehr das brennende Problem haben, nachweisen zu müssen, dass sie solide Kriterien für die Trainerpersonalauswahl haben.

Ich persönlich würde mich also dem Diktat einer Zertifizierung zum jetzigen Zeitpunkt nicht unterwerfen. Üblicherweise kosten diese recht viel und bringen meiner Erfahrung nach nicht wirklich mehr Aufträge.

Wenn ich von Aufträgen aus der öffentlichen Hand angewiesen wäre, bliebe wahrscheinlich dann doch nichts anderes übrig, als sich zertifizieren zu lassen – oder sich einen neuen Kundenstamm aufzubauen, der nicht den Vorgaben einer Bürokratie unterworfen ist.

Ich freue mich sehr darauf Ihre Gedanken dazu zu lesen, liebe Leserinnen und Leser und verbleibe für heute

mit freundlichen Grüßen

Steffen Henkel

Zertifizierungen I/III

21. Januar 2010 § 2 Kommentare

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in den nächsten drei Artikeln soll es um die Frage gehen, inwieweit Zertifizierungen zur Qualitätskontrolle bei Trainings sinnvoll sind. Ich habe dazu in den letzten Jahren im interkulturellen Bereich Erfahrungen gesammelt und bin gespannt, ob diese allgemeingültig für den Softskill-Bereich sind.

Ich sehe drei Akteure, die bei der Betrachtung von Zertifizierungen betrachtet werden können:

  • Kunden (Unternehmen/ öffentliche Organisationen)
  • TrainerInnen/ ReferentInnen/ etc.
  • Anbieter von Zertifizierungen

I Sicht der Kunden:

So wie ich das sehe, sollen Zertifikate in erster Linie den Kunden helfen, leichter gute TrainerInnen auszuwählen. In der Tat ist es für Nachfrager sehr schwierig, die Qualität eines Trainers/ einer Trainerin zu beurteilen. Der Wunsch der Kunden hier Transparenz zu haben ist aus meiner Sicht nachvollziehbar und ligitim.

In meiner 10jährigen Erfahrung als Trainingsanbieter habe ich jedoch von Seiten der freien Wirtschaft nie erlebt, dass eine Zertifizierung einen Ausschlag für eine Buchung gegeben hat. Das kann entweder daran liegen, dass für Kunden andere Dinge bei der Auswahl ausschlaggebend sind und/ oder dass es noch keinem Zertifizierungsinstitut möglich gewesen ist ein so einschlägiges Zertifikat herauszugeben, dass es tatsächlich Zweifel des Kunden an der Qualität einer Veranstaltung verschwinden lässt.

Ich glaube auch nicht, dass das jemals möglich sein wird. Das liegt schon daran, da bei einer Zertifizierung Dinge erfasst werden, die nicht wirklich die Qualität eines Trainings ausmachen. Es sind Dinge wie Ausbildung, Methodik, wissenschaftliches Wissen, Didaktik etc., die bei einer Zertifizierung eine Rolle spielen.

Aber, so frage ich mich, haben diese Dinge wirklich Einfluss auf die Qualität? Dazu die nächste Frage: Was macht den die Qualität eines Trainings aus? Die Antwort liefere ich gleich mit: „Doch letztendlich ausschließlich der Grad indem es möglich ist, mit dem Training eine Wirkung zu erzielen.“ [Natürlich nur dann, wenn alles im Rahmen einer ethischen Grundhaltung verbleibt.]

Und dies ist mit den gemeinhin in Zertifizierungen abgefragten bzw. überprüften Kriterien, nicht monokausal verknüpft.

Wenn dies nicht der Fall ist, inwieweit sollen dann Zertifizierungen sinnvoll sein?

Ich freue mich auf Kommentare durch Sie, geschätze Leserin, geschätzer Leser und führe im nächsten Block die Gedanken weiter aus.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Henkel

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